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Liberales Judentum · 1916-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1916) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 95 (sequence 23)
Language
German
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Erdicht: Festesgrutz in die Arirrmt 95 Assistenzarzt Herr Dr. Salvendi aus Frankfurt a. 7X1., Sohn des wohlbekannten sei. Rabbiners sprach, vereinigten sich alle Festteilnehmer, soweit sie rächt inzwischen durch den Dienst abgerufen waren, abermals im Lichtspieltheater, den Raum wieder bis zum letzten Platze füllend, Hier beschlossen wir mit den allen vertrauten anmutigen Liedern gemeinsam der Haggada zweiten Teil zeitig genug, noch vor Mitternacht in den bereitgestellten Quartieren zu sein. Noch einmal hatten wir am anderen vormittag einen vollen Betsaal, als unser Lhasen uns mit Schacharis, mit ^eienen und Mußaph eine nicht minder schöne und würdige Festandacht schenkte. Dann aber zogen auch die letzten, die Patronentaschen umgeschnallt, das- Gewehr über die Schulter gehängt, hinaus in die ernste Zeit der Sesira, als deutsche Soldaten, die schwere Pflicht zu erfüllen, ^eschono habooh „im nächsten Jahr" klang es ihnen noch vom Sederabend im -Dhr, und jeder dachte dabei an den Drt, der ihm der heiligste war, Weil er Vater und Mutter, Weib und Rind, weil er seiner Seele Glück und Frieden umschloß. Weiter tobt die gewaltigste aller Schlachten. Einige von denen, die noch am Sederabend hoffnungsvoll mit uns beteten und fangen, hat sie schon gefällt, anderen mehr oder minder schwere Wunden geschlagen. Fröhlich werden wir dieses Abends nie gedenken. Aber als ein Erlebnis, das uns in den drükkendsten Zeiten dieses Krieges mit neuem Mut und neuem Glauben stärkte, wird, so uns die Heimkehr vergönnt ist, uns noch in späten Friedenstagen vor Augen stehn unser j)assah vor Verdun. kestesgruh in die Heimat. Es senkt sich leise nieder die erste Festes-Nacht, Wir stehn in Feindeslands auf einsam stiller Wacht. Jetzt wird daheim den sieben der Sedertisch gedeckt, In manchem treuen Auge sind Tränen heut versteckt. Ihr alle denket unser, die fern der Heimat sind, Mb Vater oder Mütter, ob Gattin oder Rind. Doch in Gedanken heute sind wir mit Euch vereint Und freuen uns von Herzen, daß EuchVdas Festlicht scheint. Sollt Luch um Uns nicht lgrämen, die wjir in Feindesland Im Schützengraben Regen, wir sind in Gottes Hand. Der uns bis heut behütet, der führt uns immerfort. Der Herr, der es gewesen, der ist an jedem Drt. Doch mancher unsrer Brüder kehrt nimmermehr zurück, Der Rrieg, der hat zerstöret so manches Zlebensglück. Wenn's Euch auch hart getroffen und Euch auch grausam scheint, Ihr dürft nun nicht mehr weinen, Ihr habt genug geweint. Cajjjt schlafen Eure Toten, sie ruhn in guter Ruh Und schaun vom Himmel oben verklärt Luch heute zu. Auch sie sind heute bei Euch, wsenn Ihr auch nicht sie seht, In IGottes ewigem Reiche ertönt ihr still Gebet. ' Fritz ^öb aus Darmstadt.

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