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Liberales Judentum · 1916-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1916) · p. Seite 85

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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Joseph Kmrffmann: Arr Krieg Aber, wirst du wieder fragen, muß es denn böse Nachbarn geben, können nicht Neid und Rachsucht, Habgier und Herrschsucht ohne blutigen Kampf aus der Welt geschafft werden? Ist picht vor Jahrtausenden schon eine goldene Zukunft ewigen Friedens zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Tier, Tier und Mitgeschöpf in.Aussicht gestellt worden? Ist nicht gerade vor dem fetzigen furchtbaren Völkermorden die Hoffnung auf einen allgemeinen Menschheitsfrieden auf einen früher nie geahnten Höhepunkt gestiegen? was sollen uns die hehren Lehren der Religion, die großen Friedensgedanken der Dichter und Denker, wenn solche schreckliche Zeiten unvermeidbar sind', gar im plane der Weltenlenkung zu liegen scheinen? Unvermeidbar? Nein. Es wird eine Zeit kommen, in der „Gott richten wird zwischen vielen Völkern und entscheiden über mächtige Nationen bis in weiteste Ferne; sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern. Lin Volk wird gegen das andere das Schwert nicht mehr erheben, und das Kriegführen wird nicht mehr gelernt werden. Jeder wird unter feinem weinstock und unter seinem Feigenbäume sitzen, von niemandem gestört." - (Michas 3 u. H). Aber solche Zeit kann erst eintreten, wenn die Menschheit diejenige Höhe der Sittlichkeit und des Edelsinnes, der Kultur, und des Erkennens erreicht hat, die die Grundlage für den Weltfrieden bietet. Dann wird die Zeit kommen, in der die Menschheit ihre höchste Entwickelung, das Ziel ihres Berufes, erreicht haben wird, die Zeit, in der „die Erde voll sein wird der Erkenntnis Gottes." (Ies. 2,9). wann'das Ziel erreicht werden wird, was für die Menschheit hinter diesem End¬ und dir göttliche Meltrrgierrrrrg 85 ziele noch liegen kann, wer vermag es zu sagen? wer kann es ermessen? vom Standpunkte des Endzieles aus ifb die Weltgeschichte die Krankheitsgeschichte der Menschheit. Wie das Leben des Einzelwesens von der wiege bis zum Grabe vielen Einflüssen und Störungen, von innen und außen kommenden, unterworfen ist, wie Schmerz und Leid, Wunden und Krankheiten, niemandem erspart bleiben, und dennoch der geistig und körperlich Starke gekräftigt und gestählt daraus hervorgeht, so können auch Kampf und Kriegesnot als Wunden und Krank-, heiten am Leibe der Menschheit betrachtet werden. Erkrankungen, die von innen kommend, ein Volk gegen das andere aus Neid, Rachsucht oder Selbstsucht aufhetzen, die, schlechten Trieben und Eigenschaften einer Nation entsprungen, diese zur Niederlage, gar zur Vernichtung führen müssen; Verwundungen, die kraftvolle und edle, entwickelungsfähige Völker anregen, ihr höchstes für die Ueberwindung dieser von außen kommenden Schädigungen einzusetzen, weder Not noch Entbehrungen, weder Gut noch Blut zu scheuen, um neu erstarkt, höher zu ungeahnten Kräften entwickelt, mit sicherem. Ausblick einer neuen, glücklichen Zukunft entgegengehen zu können, um einen weiteren Schritt dem endlichen Ziele der höchsten menschlichen Vollkommenheit näher zu kommen! Diesen stärkenden, veredelnden Einfluß von Kriegen, die ein Volk führen muß, um sich gegen feindlichen Ueberfall zu wehren, um Unterdrückungen abzuwenden, zeigt uns die Geschichte der Kulturvölker. Dem glücklich abgeschlagenen Einfälle der Perser in Griechenland folgte die Zeit der höchsten griechischen Kulturblüte, das xerikleische Zeitalter. Der abgewiesene Sturm des Brennus auf Rom war der Beginn der historischen Zeit Roms, der Anstoß zur Entwickelung der bisdahin unbedeuten-

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