Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Joseph Kmrffmaun: Der Krieg und -re göttliche Meltrrgierung Zum Sprunge bereit liegt der mähnengeschmückte Räuber, seine Muskeln zur höchsten Kraftleistung gespannt. Er schnellt empor — ein Blitz, ein Knall — ehe der Sprung vollendet» bricht er selbst leblos zusammen, gefällt von noch mächtigerer Hand, durch das weitfliegende Geschoß der Kultur- Waffe des Herrn der Erde, des Menschen. Siehst du dort am Fuße der rot-weißgrünen Insel das schwankende Schifflein emsig hin- und herfahren? Vollbeladen, kommt es, eilige Arme enlleeren es, damit es schnell zurückfahren kann, um neue Ladung zu holen. Eifrige Hände regen sich, fleißige Hände. Sie mauern und bauen, verstopfen Lucken .und bessern Risse aus, stärken den geschwächten Felsen, festigen und stützen das gefährdete Gestein. In jahrelanger Arbeit . sichert der erfinderische Mensch die bedrohten Ufer feines Meereseilandes, unermüdlich hilft er nach, wenn hie und da sich noch Fehler zeigen oder neue entstehen, und aufatmend von seiner Arbeit schaut er froh über die weite See, sein kühner Blick sagt: kommt nur ihr rollenden Mögen, hier findet ihr euren Meister! Mir Menschen betrachten als „böse". Was in unsere Sitte und Ordnung, unseren Bestand und unsere Zukunftsb eftrebungen eingreifen, sie stören oder vernichten will. Mir müssen gegen das Böse kämpfen, damit wir bestehen und erstarken, uns läutern und höher entwickeln können. In diesem Sinne - kann auch der Krieg an sich nicht als „böse" bezeichnet werden, ja, er wird zu einem heiligen Krieg, er kann als im plane der Meltenleitung liegend betrachtet werden, wenn er gegen Störenfriede der Gesittung und Kultur, gegen Ruchlosigkeit und Verderbnis geführt wird. Leider spielen sich die ärgsten Störenfriede nur gar zu oft als Kulturverteidiger auf, weil sie Neid und Eigensucht, Rache und Rückschritt als verteidigungswürdige Merte betrachten, weil nur sie Anspruch auf Sonnenlicht und Mohlergehen zu haben glauben. Den Krieg gegen die entarteten, unsittlichen sieben Völkerschaften Kanaans führte Israel im Namen Gottes, des höchsten Prinzip es der Sittlichkeit, als heiligen Krieg. Einen heiligen Krieg führten auch vor zwei Jahrtausenden die Makkabäer, als es galt, , das Vaterland gegen den Ueberfall böser und rachsüchtiger, von. Verblendung und Eigennutz getriebener Feinde zu schützen. Ein heiliger Krieg war es, der vor hundert Jahren die Befreiung unseres deutschen Vaterlandes von fremdem Joche herbeiführts, der das Heldenzeichen des Eisernen Kreuzes schuf, des Zeichens, mit dem auch jetzt wieder unsere heldenhaften Väter, Gatten, Brüder und Söhne in dem neuen, gewaltigen, grausamen aber dennoch heiligen Kriege geschmückt werden. Auf solche Kriege muß auch das friedlichste Volk sich vorbereiten, muß rüsten im Frieden mit willigem Herzen, ganzem verstände und gern gespendetem Vermögen, denn „es kann der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Blicke wieder zum Felseneilande im rauschenden Meere! Seine grüne Rasendecke erscheint dir verändert, umgestaltet? Ja, unter dem Rasen hat weiser Menschenblick mächtige Bauten geschaffen, Bastionen und Mauern, Verließe ünd Schanzen, gepanzerte Türme und gesicherte Magazine, drohende ' Röhre ragen daraus hervor. „Ich will den Frieden, aber was ich auch rede, jene wjollen den Krieg." (pfotm \20). Dieses gefestigte Eiland vor Deutschlands Küsten, ein Merk des Friedens zur Abwehr des Krieges, mächtig und-furchtbar anzufchauen, mit seinen Riesengeschiützen und Burgwällen — nicht dem Angriffe, nur der Abwehr, der Sicherung des Volkswohles sollte es dienen, dem Schutze des Friedens, nicht der Schaffung des Krieges, >■