Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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o o Joseph Kauffmann: per Krieg Und weiter: Der Mensch hat Kräfte und Eigenschaften, die ihn weit über den Kreis der sonstigen Lebewesen hinausheben. Schon die uralte Schöpfungsgeschichte der Bibel Mbt den Menschen den Auftrag: „Füllet die Erde und machet sie euch untertan!" M. \,28). Die Erde sich untertan machen, heißt sie beherrschen, ihre Gaben und Kräfte auszunützen. Aber zum fruchtbringenden kzerrschen gehört Weisheit und Mäßigung, Erhalten und Ausbauen, Eindämmen und Entwickeln, wenn die Herrschaft eine beständige bleiben soll. Schon früh hat der Mensch gelernt, wilde, ungeberdige Naturkräfte zu meistern. Er sucht sie zu erkennen und zu seinem Nutzen anzuwenden, ihre nutzbaren Eigenschaften zu entwickeln und zu fördern, ihre schädlicher. Seiten zu mildern und zu fesseln. Die Beherrschung der Erde erfordert aber auch die Beherrschung des Menschen, des Sohnes der Erde, also seiner selbst. Groß ist die Zahl der Meister und Lehrer, die sich bestrebt haben, die Menschen zu würdigen Herren der "Schöpfung heranzubilden und emporzuheben, sie zu Wissen und Erkennen, Sitte und Selbstzucht, zu einer höheren Kultur zu führen. Auch die Bibel erklärt schon auf ihren ersten Blättern, daß Selbstbeherrschung und Selbstbezwingung, Unterdrückung 8er Naturtriebe, zu den ursprünglichsten Aufgaben der Menschheit gehören: „Es lauert vor der Tür die Sünde, Wie sie den weg? zu Dir Wohl finde; Laß ste zu Dir nicht dringen, Du sollst und mußt sie zwingen!" , . ft, M. %1.) Das eben unterscheidet — neben anderen Verschiedenheiten — vornehmlich den Menschen vom Tiere. Dieses wird nur von den Naturtrieben der Selbsterhaltung und der Liebe geleitet, der Mensch aber.verfolgt auch rmd die göttliche Meltregrernrrg 8L sittliche Ziele, hat noch andere Aufgaben, als die Erhaltung seiner selbst und seiner Art. Auch die Sittlichkeit ist Naturgesetz, ein stärkeres und gewaltigeres als andere Triebe, die sie sich unterwerfen und dienstbar machen, mildern und unschädlich machen kann. Kampf gegen Schädigungen ungefesselter Naturkräste und Naturgesetze nach innen und außen ist Aufgabe der Menschheit um ihrer selbst willen, im Ausblick auf ihre Zukunft. Nur der Mensch kann gut und schlecht handeln, das Tier kennt das Böse nicht. Es ist nicht schlecht, wenn der vom Triebe der Liebe beherrschte Hirsch seinen Nebenbuhler tötet, wenn das Raubtier blutige Nahrung sucht. Böse aber ist alles, was die Gemeinschaft der Menschheit, den Bestand engerer oder weiterer Volkskreise, das Bestehen der Einzelpersonen stört oder schädigt. Seit den Urzeiten der Menschheit wurde, die Notwendigkeit der Abwehr des Schädlichen erkannt. Der erste Schritt der Menschheit auf diesem Wege war die Familienbildung, ihr folgte der Zusammenschluß zu Stämmen und dieser fand eine höhere Stufe in der Bildung von Nationen und großen Völkerreichen. Der Zusammenschluß brachte und förderte die Kultur, die nur aus dem Zusammenarbeiten Vieler entstehen konnte. Mit dem Wachsen der Kultur verbesserte die Menschheit ihre Kulturmittel : Waffen — Werkzeuge — Maschinen, die sie in Stand setzte, Angriffen entgegenzutreten, ihnen vorzubeugen. ' Komm zurück zu der Wüsteninfel! Auch Menschen wohnen dort, braune Araber in weißen Zelten. Unter den Salinen haben sie mit ihrem uralten Hakenpfluge den Baden beackert, um grüne.Gemüse, goldene Körnerfrüchte 511 ziehen. Zhre buntgescheckten Herden weiden friedlich am Bachesrande, burnüsumwallte Wirten umreiten sie aufmerksamen Blickes, die schußbereite Waffe im Arm. '