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Liberales Judentum · 1916-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1916) · p. Seite 76

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Ar. Samuel: Sabbat aber Sonntag? gewählt ist. Muß denn „subjektives Judentum", „soziales Judentum", „nationales Judentum", „Pietäts-Judentum", „Trotz- Judentum", „Verwaltung^ -- Judentum", „Ramps-Judentum", „Alljudentum", „zeitphilosophisches Judentum", „pseudoliberales Judentum" ic. mit Gewalt unter einen Hut gebracht werden? Unter den Hut des „Relativismus", im Gegensatz zum „Positivismus"? wer kann von einer solchen, alles zusammenwerfenden Rritik etwas profitieren? Am wenigsten kann der Friede, besonders der Sabbat oder Sonntag? Von Rabbiner Dr. 5. Samuel-€ffen. \ m letzten November-Dezemberheft dieser Zeitschrift hat Herr Zehrer Meyer die wohlbekannte Sabbatnot wieder einmal zur Sprache gebracht und den Ruf erhoben: „gebt uns Feiertage!" Dieser Ruf richtete sich an die liberalen Rabbiner; aber er ist/ soviel ich sehe, bisher ohne Widerhall geblieben. von den Rabbinern kann solchem Wunsche am wenigsten entsprochen werden, * denn das wäre doch wdhl Angelegenheit der Gesamtheit. Im Einblick auf diese aber haben die liberalen Rabbiner noch vor wenigen Jahren sich grundsätzlich für Beibehaltung und Ausgestaltung des historischen Sabbats entschieden. Haben die Verhältnisse so schnell sich geändert? Was uns Herr Lehrer Meyer aus seiner Gemeinde berichtet, ist allerdings keine Teilerschemung; dennoch muß der aufs große Ganze gerichtete Blick uns lehren, daß Minderheiten nicht dasselbe ■ sind, wie Ausnahmen. Fassen wir gar die Gesamtjudenheit ins Auge, so konnte das überraschende Ergebnis sein, daß wir selbst; mit unserm Notstand die Minderheit bilden, während die Masse der Juden den Sabbat ungestört besitzt, weil sie ihn besitzen will. Der Verfasser hat deutsche, genauer norddeutsche Verhältnisse im Auge; er verim eigönen Lager, dabei gewinnen. ^Eine solche vom „Positivismus" ausschließende Rritik läßt immer einen Stachel zurück, wer den Frieden will, muß sammeln und nicht trennen. Alle Erscheinungen des Judentums sind gegeben, also positiv, die weltlichen Erscheinungsformen, ebensowohl wie die religiösen. Ein „Judentum ohne Judentum" gibt es nicht. Der positivismus ist in der Religion das Banner desFriedens: er erkennt selbst seine „Relativität". langt eine Prüfung vom liberalen Standpunkt aus. Und dieser gebietet uns allerdings, die oft erwogene Frage, ob der Sabbat nicht durch eine Verlegung auf den Sonntag zu retten und lwieder zu Ehren zu bringen sei, immer aufs Neue aufzunehmen, ohne uns hinter dogmatischen Bollwerken zu verschanzen. Für den Menschen ist auch der Sabbat da, davon gehen wir aus. Das Judentum weiß von Zeiten, wo der Sabbat zurecht bestand, aber nicht gefeiert werden konnte. Es will, daß wir den siebenten Tag im Gegensatz zu 6 Werktagen Gott weihen; die Zählung selbst, diese Empfindung täuscht uns nicht, wie wir Anfang und Ende der Woche bestimmen, ist nicht das Ausschlaggebende, so starke Gefühlswerte auch dem historischen Tage zugute kommen. Rein Zweifel: gewollt, oder ungewollt bedroht das Einleben und Einfühlen in unsere nichtjüdische Umwelt den Sabbat nach seiner äußeren Heilighaltung, bedroht ihn für unser Gefühl und stellt ohne Gegenmaßxegeln seine Zukunft in Frage. Unser Notrufer hat also von uns nicht den Vorwurf der Leichtherzigkeit zu befürchten; wir hören deutlich den religiösen Unterton heraus, die Liebe zu den Idealen des Juden-

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