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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 69

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 69 (sequence 21)
Language
German
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Rundschau 69 Rabbiner au die israelitische Brüdergemeinde in posen, in die Erforschung der Geschichte der posenschen Ariden. Seine bedeutungsvollsten' Arbeiten, auf diesem Gebiete sind:;,Die ersten Kulturbestrebungen der jüdischen Gemeinde posen unter preußischer Herrschaft", (Graetz Iubelschrift (887), „Die Generalprivilegien der polnischen Iudenschaft", „Die Sage von Saul Mahl, dem Eintagskönig von poIert", „Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde posen um die Mitte des (6. Jahrhunderts", „Kolonisationsbestrebungen des Salomon Eiger", „Der Alamron oder der jüdisch-polnische Wechselbrief". — Dem Andenken seines berühmten Lehrers am Breslauer Seminar, des Historikers Graetz, der ihn ganz besonders als seinen Lieblingsschüler ins b>erz geschlossen hatte, widmete er in freundschaftlicher Pietät seine Biographie „Heinrich Graetz", die zuerst in Amerika englisch, dann auch ins deutsche übersetzt im 48. Jahrgang der Frankel- Graetzschen Monatsschrift erschien. — Auch auf einem Grenzgebiet zwischen Geschichte und Talmudw-issenschaft veröffentlichte er wertvolle „Studien zur Aggadah" (abgedruckt M S., 34. uüd 35. Jahrgang). Seine besondere Liebe aber wendete Blochreligionsphilosophischen Studien zu. Er übersetzte Saadias. religionsphilosophisches Buch „Von Glauben und Missen" ((879) und einen bedeutsamen Abschnitt aus Thäsdaj Treskas „Mr Thora" über die Willensfreiheit. Er untersuchte den Einfluß der Merkaba-Mystiker der Gaonenzeit auf die Liturgie (M. S. 37. Jahrgang). Als die letzten reifen Früchte seiner religionsphilosophischen Studien schrjeb er für „Winter und wünsche", die „Geschichte der Entwicklung der Kabbalah und der jüdischen Religionsphilosophie" ((894) und „Die Kabbalah auf ihrem Göhepunkt und ihre Meister" ((903). Seit seinen Studienjahren gehört Bloch der liberalen Richtung an, die er mit Mäßigung, Wo es nottut aber auch mit Entschiedenheit vertritt. Mögen dem verehrten Jubilar, dem eine tapfere, umsichtige Gattin treu und sorgend, weise und verständnisvoll zur Seite steht, noch viele Jahre segensreichen Wirkens und Schaffens im Kreise seiner Lieben zur Verherrlichung unseres Glaubens und unserer Lehre vergönnt sein! - In Aanzig starb der fiir das liberale Judentum außerordentlich verdiente Iustizrak Steinhardt, der seit Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum dem Vorstand angehörte. Statt Bertha Ziemlich, geb. am o(- Okt. (839, gest. am 23. April (9(6. Der 26. April sah trotz ungewohnt früher Stunde und trotzdem keine Veröffentlichung stattgefunden hatte, eine große Trauerversammlnng auf dem alten israel. Friedhof. Frau Bertha Ziemlich wurde zur letzten Ruhe gebettet. In aller Stille sollte — ihrem niedergeschriebenen Wunsche entsprechend — nur mit allgemeinem Gebet ihre Beerdigung stattfinden; aber dieser, ihr Wunsch, könnte all die, die sie liebten und verehrten, nicht abhalten, noch einmal dem zu folgen, was sterblich an Bertha Ziemlich war. — Vor mehr als 34 Jahren war sie — die würdige Tochter des. großen Vaters, des berühmten Rabbiners und Gelehrten Joel — von Breslau dem Gatten, dem damaligen Rabbiner in Nürnberg, in die neue Heimat gefolgt und ihr war sie treu geblieben, auch nachdem ein unerbittliches Geschick ihr nach kurzem Glücke die Liebsten — Kinder und Gatten — geraubt hatte. Wie sie die Schicksalsschläge trug, das adelte ihr adeliges Wesen doppelt! Linen Edelmenschen nannte Rabbiner Dr. Freudenthal sie in seinem Nachruf, ja ein edler Mensch im Denken, Empfinden und handeln war sie und blieb es in all dem schweren Leid; im Sorgen für Andere vergaß sie sich! TVas sie den jüdischen Vereinen leistete, was sie im Frauenwohltätigkeitsverein schuf, was aus dem jüdischen Schwesternheim durch ihr unermüdlich treues Sorgen bis zum letzten verständlichen Worte wurde, wie ihr Walten in den interkonfessionellen Vereinigungen.: Armenpflege und Bahnmission segensvoll w>ar, das' läßt sich im Raume dieser Zeilen nicht schildern; allein durch ihre Wesensart, durch ihr rasches Erfassen dessen, was notwendig, wurde ihre Arb eit unschätzbar. „Was gut an mir ist, ist jüdisch," diese Worte hat sie selbst von sich gesagt und jüdischem tiefsten Sinne unserer Religion war sie, lauter und selbstlos in ihrem Denken

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