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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 70

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 Aus drr Jugendbewegung und Tun; weiblich im schönsten Sinne des Wortes in ihren Handlungen, ihrem Wesen, deutsch im wahrsten Sinne der Bezeichnung in ihrem Fühlen, ihrer Treue., Als der schreckliche Krieg das Vaterland bedrohte, in den Grundfesten erschütterte, zwang sie sich selbst -wieder herauszutreten aus ihrer Zurückgezogenheit, stellte sich der städtischen Kriegsfürsorge zur Verfügung, arbeitete im Hausfrauenbund zur Kriegshilfe, wurde der spiritus rektor all seiner Unternehmungen. — Ihr hervorragender verstand, ihr tiefes Mitfühlen, ihr reiches Wissen, ihr abgeklärtes Urteil, ihre große Bescheidenheit, ihr warmes Verständnis für alle Leiden und Schwächen der Menschen, ihr fester Glaube an das Gute in Jedem ließen sie „Allen Vieles geben", . „Vielen Alles sein". Die Worte des Geistlichen gipfelten in diesen zwei Sätzen; das Aufschluchzen, das ihnen folgte, klang wie ein Echo aus den Kerzen der Trauernden. üus öer Jugendbewegung. Srrlrn. Am Februar sprach im Jüdisch-liberalen Zugendverein zu Berlin der Syndikus des Hilfsvereins der Deutschen Zuden, Herr Dr. .B. Kahn, über das Thema: „Der Kriegund dieGstjuden." Nach einem Ueberblick über die Ansiedlungsgeschichte der Zuden in Polen und Rußland legte der Redner ihre heutige Stellung zur russischen und polnischen Volksmasse dar. Er gab alsdann eine Schilderung des Glends, das der Krieg über die Juden des Dstens gebracht, und Wandte sich dem Mjtjudenproblem zu. Der Redner gelangte zu dem Resultat: Zm Lichte persönlicher Freiheit und ' Gleichberechtigung will der polnische Jude in dem Lande bleiben, in dem seine Eltern und Großeltern begraben sind, um auf der Stufe des vollen Staatsbürgertums als nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft auftreten zu können. —Lebhafte Erörterungen » schlossen sich den sachkundigen Ausführungen des Vortragenden an. Herr Dr. Bruno Lange, der den Vorsitz führte, dankte dem Referenten in wärmen Worten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, die den unglücklichen Glaubensgenossen die Freiheit und uns allen — Kein Hülfesuchender ging von dieser seltenen Frau ohne Trost, kein Ratheischender ohne -Belehrung undi Niemand chat wohl, selbst bei kurzem Zusammensein, nicht ihres „Geistes einen Hauch" verspürt, konnte sich der Verehrung weckenden Macht ihrer Persönlichkeit entziehen. — Zhr war der Tod, der sie bei einem Besuch ihrer Geschwister in Bamberg, nach kurzem Leiden traf, eine freudig erwartete Erlösung, froh und friedlich harrtb sie bewußt der ewigen Ruhe entgegen, aber klaffend ist die Lücke, die ihr Scheiden hinterläßt, klaffend in den Znstitutionen und Vereinen, denen ihr Mühen, ihr Walten, unausfüllbar in den Kerzen derer, denen ihr Sorgen galt, unverwischbar die Erinnerung an sie bei denen, die sie ihrer Freundschaft für wert hielt. Gesegnet sei ihr Gedenken, unauslöschlich, was sie schuf; denn ein Segen war sie, zum Segen werde ihr Beispiel. — kleinen siegreichen Frieden bringen werde. Die zahlreich erschienenen Damen und Herren zollten den Ausführungen begeisterten Beifall. Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Kreslau. Mit Rücksicht auf das purimfest und um gleichzeitig unseren auswärtigen Vereinsmitgliedern die Möglichkeit der Teilnahme zu gewähren, hielten wir unsere 3. Mitgliederversammlung am März unter sehr starker Beteiligung in den Räumen der Spinoza- Loge ab. Zn liebenswürdiger Weise hatte £jm* fürstlicher Archivar Dr. Zivier, pleß, einen Vortrag über das Thema „Rasse-Zudentum" übernommen. Unter Hinweis auf Thamberlains Schrift „Die Grundlagen des lZ- Zahrhunderts" bewies der Herr Redner, in welch große Widersprüche sich der Verfasser dieses Buches verwickelt, wenn -er die Behauptung aufstellt, daß der, in dessen Adern nicht germanisches Blut rollt, minderwertig sei, und nur die germanische Rasse als Kulturträgerin Bedeutung hätte. Diese Auffassungen würden in rein antisemitischer Weise ausgenutzt und demzufolge behauptet, daß jede bei den Deutschen vor-

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