Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau 6T sold et er Syndikus angestellt werden müsse. Auch auf die Notwendigkeit einer Fachpresse wurde hingewiesen, da dem Rabbiner zur Vertretung seiner idealen Stand esinteressen bisher keine rechte Möglichkeit in der Presse gegeben sei. Die Versammlung übergab, indem sie ihre grundsätzliche Zustimmung zu beiden Punkten zu erkennen gab, beide Anträge einem Ausschuß, der die Lösung der Fragen vorbereiten soll. Des ferneren wurde eine bereits vom Zentralausschuß gewählte Gesetzeskommission bestätigt, welche die gesamte Stellung des Rabbiners, — sowohl die 'gesetzliche, wie die innerhalb der Gemeinde — untersuchen und die geeigneten Wege zu der dringend erforderlichen Besserung dieser Stellung weisen soll. Als Material wurde ihr ein Antrag überwiesen, der auf eine Ablösung der Gebühren für Rasualien hinzielt.' Die Nachmittag-Sitzung leitete Munk- Marburg, da der Vorsitzende wegen eines Trauerfalles in der Familie zur Abreise gezwungen war. Rosenberg-Thorn hielt ein Referat über den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten. Er zeigte historisch, wie die bisherige schwierige Läge entstanden sei und legte sie in ihrem ganzen Umfange dar. Sodann schilderte er jn allen. Einzelheiten die lvünsche, welche zu erfüllen seien, und legte eine Anzahl von Thesen vor. Da der Vortrag im Druck erscheinen wird, kann auf eine Wiedergabe des Inhalts hier verzichtet werden. . Nach langer Debatte wurden die Thesen, bis auf eine, in etwas veränderter Gestalt angenommen. Sie verlangen, daß jüdischer Religionsunterricht überall eingerichtet werde, wo jüdische Rinder vorhanden seien, daß die Rosten von der Patronatsbehörde übernommen werden, daß der Unterricht in allen Rlassen erteilt und davon nur befreit werden solle, wenn bei Vorliegen. religiöser Bedenken ein vollgültiger Ersatzunterricht nachgewiesen sei. Ferner^ wird - verlangt, daß nur Rabbiner und solche Lehrer zur Verwendung gelangen, die ihre Befähigung Nachweisen, (in den oberen Rlassen akademisch gebildete) daß die Schüler im laufenden und im Reifezeugnis eine Zensur erhalten, und schließlich, daß der jüdische Religionslehrer zu allen Ronferenzen hinzuzuziehen sei, in denen es sich um feine Schüler handelt. Ferner wurde dem Vorschläge des Referenten zugestimmt, daß das hebräische als Lehrgegenstand beim Religionsunterricht dort zu erstreben sei, wo die Schüler ohne Renntnis des hebräischen aufzuwachsen drohen, und daß in' den Ausnahmefällen, da an den höheren Lehranstalten kein Religionsunterricht eingerichtet sei, der Besuch der Religionsschule der Synagogengemeinde bis zum Lebensjahre als obligatorisch erachtet werden müsse. Ueber den zugleich vorgelegten Entwurf eines Normallehrplans fand keine Diskussion statt. Die Debatte über die Thesen, die sich in der Vormittagssitzung des folgenden Tages fortsetzte, wurde abgebrochen, um das Ergebnis der Neuwahlen zu verkünden. Zu Ehrenmitgliedern des Zentralausschusses wurden gewählt: Bloch-Posen, Frank - Röln, Maybaum - Berlin und Rosenthal - Breslau. Mitglieder sind: Appel- Rarlsruhe, Blumenthal-Berlin, Tohn-Ichenhausen, Lohn-Rawitsch, Eschelbacher-Berlin, Freudenthal - Nürnberg, Gronemann - Hannover, Gutmann-Breslau, Horowitz-Frankfurt a. M., Jacob-Dortmund, Ropfstein- Beuthen, Munk - Marburg, Nobel - Frankfurt a. M., Rosenthal-Röln, Salfeld-Mainz, Samuel-Essen, Seligmann-Frankfurt a. M., Walter-Bromberg, Werner-München, Winter-Dresden und Wreschner-Samter. Stellvertretende Mitglieder sind: Baeck- Berlin, Goldmann - Oppeln, Löwenthal - Hamburg, Neumark-Duisburg und Theodor- Bojanowo. Nach Ende der Debatte über den Religionsunterricht hielt am nächsten vormittag Goldmann-Dppeln ein Referat über „die Stellung des Rabbiners zur Ostjudenfrage." Er betrachtete zunächst die Wirkungen, die das Auftauchen des Ostjudenproblems bisher auf den deutschen Juden ausgeübt hatte, sodann wandte er sich der politischen, kulturellen, wirtschaftlichen Knd religiösen Seite der Frage zu. Ohne Vorschläge für die Zukunft zu machen, legte der Referent rein objektiv die historischen und psychologischen Grundlagen der Ostjudenfragedar, und hob hervor, daß er keinen Beitrag zu ihrer Lösung, sondern nur zu ihrem Verständnis geben wolle. Au den Vortrag, der gleichfalls im Druck er-