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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 66

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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66 Rundschau Den .Kassenbericht erstattete für den erkrankten Werner-München, Blument hat -Berlin. Es würde beschlossen, den Geschäftsbericht mit dem Kassenbericht nnd .dem nächsten Aunkt der -Tagesordnung, der Militärseelsorge, zugleich zur Besprechung zu stellen. In seinem Referate über die Militärseelsorge sprach Köpfst ein-Beuthen gleichfalls zu Beginn den Feldrabbinern für ihre Tätigbeit herzlichsten Dank aus. Er schilderte dann anschaulich die Probleme, die der Krieg in der Seelsorge ergeben hatte, indem zu den ^andeskindern noch der unendliche Strom der-Gefangenen kam. "Für die bisherige Regelung, die durch den Verband der deutschen Juden geschehen sei, müsse an sich Dank ausgesprochen wierden, wenn auch vieles über den Kopf des Rabbinerverbandes und seinen Wünschen entgegen geschehen sei. Die Forderungen, die der Redner zum Ausdruck brachte, leiteten zu einer Besprechung der Stellung der Militärseelsorge im Friedenüber, für die man Gleichstellung mit den christlichen Konfessionen verlangen müsse. In der stellenweise sehr lebhaften Debatte, die sich auch mit der rechtlichen und sonstigen Stellung des Rabbiners überhaupt befaßte, waren sich alle Seiten darüber einig, daß einerseits der Rabbinerstand vollauf und opferfreudig seine Pflicht in diesen Angelegenheiten erfülle, daß Andererseits .Mißhelligkeiten entstanden seien, welche aus dem nicht recht geklärten Verhältniszum Verbände der deutschen Juden herrühren. .Von vielen Seilen wurde in allen religiösen Angelegenheiten ein durchaus selbständige? Vorgehen des Rabbinerverbandes empfohlen, von anderer Seite wurde ein vermittelndes, verfahren gewünscht. Da die Ansichten sich sehr schroff gegenüberstanden, wurde schließlich^ eine Verständigungskommission eingesetzt. Am folgenden Tage legte sie der Versammlung nachstehende Entschließung vor, welche einst i m ini g e Annahme fand:, „Als den wertvollsten Gewinn des gegenwärtigen Völkerringens, in dem unser deutsches Volk gegen eine Welt von Feinden heldenmütig um sein Dasein und seine höchsten Güter k ä m p f t, erachtet der Verband der Rabbiner in Deutschland die Erstarkung des religiösen Bewußtseins und die Rückte hr der Seele zu, Gott. Der Verband hält es für die vornehmste Aufgabe des Rabbiners, als des berufenen Vertreters der jüdischen Religion, diese Wirkung in unserer religiösen Gemeinschaft für die Dauer zu erhalten. Dazu ist notwendig, daß dem Rabbiner die gesetzliche Stellung gegeben werde, die allein die Erfüllung dieser Aufgabe zu gewähr leisten vermag. In allen religiösen An gelegen heiter: der deutschen Iud e nheit hält der Rabbinerv erb arid in Deutschland eine vorgängige selbständige Behandlung durch seine Organe für unerläßlich. Er ist bereit, zu ihrer Durchführung mit allen anderen Organisationenzusammenzu wirken und erwartet, daß Verhandlungen mit den Behörden, soweit sie religiöse. Fragen berühren, nur i m E i n v e r st ä n d n i s mit dem Rab b in er v e rb and in Deutschland geführt werden. — Auf dieser Grundlage beauftragt die Generalversammlung den geschäftsführenden Vorstand, eine Verständigung m i t dem V e r b a n d der deutsche n Juden in d en darauf bezüglichen Fragenalsbaldherbeizuführ e n." . Die weitere interessante Debatte über die oben erwähnten Gegenstände brachte verschiedene Stimmungen und wünsche zum Vorschein. Fast allseitige Uebereinstimmung herrschte darüber, daß die gegenwärtige rechtliche Cage des preußischen Rabbinerstandes eine auf die Dauer unhaltbare sei und daß unabhängig von der Organisationsfrage eine Aenderung angestrebt werden müsse. Es wurde hervorgehoben, daß der Rabbinerverband seinem Vorstande, dem er für seine treue Mühewaltung zu herzlichstem Danke verpflichtet sei, nicht gut zumuten könne, die sehr erhebliche Arbeitslast im Nebenamt zu ^erledigen, und daß daher nach dem Vorbilde anderer Organisationen ein. be-

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