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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 59

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Erwiderung von Ar. Goldman« 59 ijch k'einen einzigem von ihnen in dem von ihm verstandenen Sinne aufgestellt habe und keinen einzigen als richtig anerkenne. Hätte Luchs nicht einige wahllos aus dem Zusammenhänge gerissene Teile sondern den Sjinn meiner Ausführungen betrachtet, so würde er nicht ausführliche Dinge zu widerlegen brauchen, die nur in seiner Einbildung bestehen, was er mir verwirft, trifft für ihn zu: „D i e Voraussetzungen seiner Entgegnung sind falsch." „Objektiv steht das Wesen des Judentums fest." Diesen Satz mußte Luchs im Zusammenhänge lesen. Ich habe ihn aufgestellt, nachdem sich in aller Kürze im vorhergehenden Abschnitt fast genau dieselben Vorbehalte gemacht habe wie er. Es steht nur insofern fest, als die Religion unbedingt zu; ihm gehört. Das wird auch Kollege Luchs hoffentlich zugeben. „Das Wesen des Judentums ist Religion". Auch dieser Satz ist aus dem Zusammenhangs gerissen. Ich habe deutlich genug erklärt, daß ich damit sagen wollte, ohne Religion gebe es kein Judentum. Auch das wird Kollege Luchs als Rabbiner kaum bestreiten. Daß neben der Religion der Begriff Judentum sehr vieles andere enthält, ist von mir so klar ausgeführt worden, daß es nickst übersehen werden konnte. Meine Ausführungen trifft die Polemik darum keineswegs. Als dritte These schreibt er mir die Weisheit zu: „Das Wesen der jüdischen Religion ist der ethische Monotheismus", wieder derselbe Irrtum! Ohne ethischen Monotheismus gibt es keine jüdische Religion, daß aber zu'ihrem Wesen noch unendlich viel spezifisch Jüdisches gehört, dürfte aus meinen Ausführungen hervorgehen. Aus früheren Veröffentlichungen vom Kollegen Luchs und mir möchte ich sogar schließen, daß ich noch mehr positive, charakteristische Merkmale zum Wesen des Judentums gehörig betrachte als. er. jedenfalls lag aber kein ersichtlicher Grund vor, mir diesen trivialen Satz zuzuschieben. Schließlich soll ich gesagt haben: „positives Judentum ist Arbeit für das wes<n der jüdischen Religion", wie der Kollege Luchs solches hat herauslesen können, ist mir vollends ein Rätsel. Ich habe gesagt, daß positives, also wahres Judentum ohne religiöse ' Grundlage oder religiöses Ziel nicht denkbar sei. Damjt ist doch aber nicht behauptet, daß nur religiöse Arbeit oder gar „ethisch monotheistische" positiv jüdisch sei. Ich meine nur, daß allein die Arbeit wirklich dem Judentum dient, die im Bewußtsein des religiösen Grundcharakters unserer Gemeinschaft, im Geiste religiösen Judentums unternommen wird. Ihr Ziel kann aber sehr weltlich sein. Daß es viele Aufgaben des Judentums gibt, die im Endresultat keinen strengen Zusammenhang mit der Religion haben, weiß ich wirklich. Luchs hat anscheinend übersehen, was mein Artikel bezweckte, Heine hat einmal über das „Christentum ohne Christus" gespöttelt, das er mit Schildkrötensuppe ohne Schildkröten vergleicht. Denselben Gedanken habe ich verfolgt, wenn ich mich gegen jedes „Judentum ohne Jüdisches", gegen Judentum ohne Religion wende. Tiefgründige Untersuchungen über das weitere Wesen, des Judentums anzustellen, lag mir an dieser Stelle gänzlich fern. Rur daß ein Judentum, das die Bedeutung der Religion nicht kennt oder gar leugnet, seines wichtigsten Teiles beraubt wird und darum recht gefährlich ist, habe ich zeigen wollen. Und daß auch Kollege Luchs auf diesem Standpunkt steht, halte ich für selbstverständlich. Da die Ausführungen seines Aufsatzes sich mit den meinigen nicht befassen, erübrigt es sich, auf sie einzugehen. In vielen Dingen stimme ich ihm bei, manche betrachte ich mit anderen Augen und urteile darüber anders.

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