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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 55

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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O O „ o o Ar. Fuchs: Nochmals das „relative Judentum" 55 L 0 p ü 6 r bJ i k k o r sein kann, nicht das Prinzip der Thora ableugnet, wer auch nur . irgendwelche Teile der Gerneinschaftsreli^ion für verbindlich hält. : Wer überhaupt irgendwelche erzieherischen Pflichten der jüdischen Gemeinschaftsreligion anerkennt, ist „gesetzestreu", einerlei, wie vßel es sind. Auch R. Nachman bar Isaak hat ja das Wort des Habakuk anerkannt: „Der Fromme lebt in seinem Glauben". Mit gutem willen läßt sich hüben wie drüben Tora und Lmunah, Autoritatives und subjektives zu einer positiven jüdischen Gemeinschaftsreligion wohl verbinden. Soviel über das Wesen der „jüdischen Religion", in Beziehung auf das Verhältnis von Liberalen und Orthodoxen! Und nun noch über das Wesen des „Judentums" einige aphoristische Bemerkungen, welche hauptsächlich der Verständigung mit den Nationaljuden dienen sollen. IV. Die jüdische Gemeinschaft ist durch Abstammung und Religion begrenzt: Man wird Jude durch Geburt, oder — wenn nicht durch Geburt — durch Bekenntnis zur jüdischen Religion und Leben in ihr. Das Judentum, der geistige Gehalt der Iudenheit (s. o.), muß demnach zwei Kreise enthalten, einen religiösen und einen, der sich auf die Gemeinschaft bezieht. Diese beiden Kreise decken sich wohl nie in der Geschichte ganz: die jüdische Religion ist nie in der nationalen Sorgen aufgegangen! Doch waren beide Kreise Wohl im Mittelalter konzentrisch. Ganz auseinandergefallen sind - sie ebenfalls selten, etwa für die Hellenisten oder heutzutage für zionistische Atheisten. Für mich besteht das Judentum aus einem System von zwei sich schneidenden Kreisen. Soweit dieselben sich nicht schneiden, ist das Judentum hier reine (universalistische) Religion, dort reines (weltliches) Gemeinfchaftswesen; soweit sie zusammenfallen, ist es eine spezifisch-jüdische Verbindung von Religion und Gemeinschaft. Das Judentum hat demnach drei Seiten, eine universalistisch-religiöse (ethischer Monotheismus), eine jüdisch-religiöse (Zeremonial, jüdisch-messianische Hoffnungen) und eine jüdischweltliche (Verwaltung, Wissenschaft, Kunst, hebräisch, Jargon usw.). Dem einen liegt mehr an der einen, dem andren an der andern dieser 3 Seiten des Judentums. Aber so sehr sich jemand auch für eine dieser 3 Seiten einsetzt, ganz streichen kann er die andern lnicht! Gin Volljude ist niemand, der sich nicht aller drei bewußt bleibt in Idee und Leben. Vom Rabbiner, dem Vertreter der jüdischen Religion, erwartet man, daß er auch für die Gemeinschaft arbeitet, und zwar nicht bloß aus Religiosität.: und vom Vorsteher, dem Vertreter der Gemeinschaft, daß er auch jüdisch religiös ist, und zwar nicht bloß aus Politik! Die Iudenheit ist nicht eine bloße Religionsgemeinschaft. wir Juden stehen auch abgesehen von der Religion in einem Zusammenhang: Wir sind „Genossen" durch Verfolgungen, „Brüder" durch Geburt und Geschichte. — Wohl! Für den Staat sind wir weiter nichts als „Glaubens"brüder; denn wir verlangen von ihm, insofern wir Juden sind, wejter nichts als^ Glaubensfreiheit Wiijr haben auch keine politischen Sonderziele, weder, innerstaatliche noch internationale, — wie sich jetzt im Kriege wieder eklatant gezeigt hat. Aber kein. Politiker kann es uns verargen, wenn wir uns innerlich noch durch andres verbunden fühlen! Wie der Staat jeder Berufsgenossenschaft ein berechtigtes Gemeinschaftsinteresse zubilligt, eventuell auch vor Gericht, so müßte, er das jüdische Gemeinschaftsgefühl anerkennen und, wenn es verletzt wird, dem Juden das berechtigte Interesse zur straftechtlichen Verfolgung zusprechen! — Die Doppelnatur des Judentums zwingt ferner zu dem Geständnis:

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