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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 54

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Ar. Fuchs : Nochmals Lus „rrlatioe Judentum" o o o o ausgenommen hat in Form! von Lehrsätzen und Pflichten. Dieses objektive Judentum, das Glaubens- und Pflichten-System samt Zeremonien, Gemeindeknstituten usw. könnte man: die jüdische „Kirche", oder, wie man früher sagte: „die Synagoge" nennen. Don dieser wäre es falsch zu sagen, ihr Wesen sei allein der ethische Monotheismus! Wohl ist ihr Ziel die Beeinflussung der Juden in der Richtung auf ihn. Aber Ziel und Zweck ist nicht das einzige Maßgebende an einer Institution; Ausgangspunkt und weg ist mindestens ebenso wichtig. Ist der Daseinszweck. der Synagoge, weg zu sein, so ist die Art dieses Weges auch ihr eigenstes Wesen! Das Zeremonial, das für die Religiosität nur „charakteristische Erscheinungsform" ist, wird für die jüdische Gemeinschaftsreligjon das in ihrem Wesen wurzelnde Erziehungsmittel. Hier paßt das Wort „Wesen" nicht mehr, weil die ganze Institution nichts Wesenhaftes, sondern Hilfsmittel ist. Hier paßt allein Gdethes Wort von allem geschichtlich Gewiordenem: Natur ist weder Kern noch Schale, Alles ist sie mit einem Male. Auf dieser Zweideutigkeit des Wortes Religion beruht es, daß Orthodoxe und Liberale sich so schlecht verstehen. Für den Orthodoxen hat das Wort Religion immer die zweite Bedeutung; Religion ist ihm Thora, Institution, und er versteht nicht, wie man das Zeremonial als nebensächlich abtun kann. Der Liberale denkt bei dem Worte Religion zunächst an die erste Bedeutung, an das innerliche Verhältnis Des Menschen zu Gott, und begreift nicht, daß darin die wechselnden Formen der Gottesverehrung eine Rolle spielen sollen, will man beide Parteien einander nähern, so nützt es nichts, ein „Wesen" als ihr Gemeinschaftliches herauszuheben; die Gegner werden stets aneinander vorbeireden! Beide müssen zuerst ihre Einseitigkeit einsehen. Der Orthodoxe darf nicht vergessen, daß der von ihm als Einziges geforderte Gehorsam gegen-die Gemein-, schastsreligion zu einer Erstarrung des religiösen Innenlebens führen muß, die er selbst gar nicht haben will, — (abgesehen davon, daß der Gehorsam selbst ein subjektives Moment ist, das theoretisch sein System durchlöchert, und auf welches praktisch in der Diaspora kein Verlaß ist). Der Liberale aber muß sich daran erinnern lassen, daß sein „Wesen", die ethisch-monotheistische Religiosität, nicht zur vollen Blüte kommen kann ohne die Hilfe der Gemeinschaftsreligion; und diese kommt ohne Zeremonial nicht aus, ja vielleicht -nicht einmal!ohne die Form des „Gebotes". Die paroIe: Pflege des ethischen Monotheismus! könnte eine Philosophenschule einige Zeit durchführen; aber, eine Millionengemeinschaft wird dieses Wesen" sich nur erhalten vermöge ihrer darauf zielenden Veranstaltungen, wer sich und seinen Nachkommen die Ideale der jüdischen Religion erhalten will, muß sich der Gemeinschäftsreligion unterwerfen, die für den als Juden. Geborenen eben die jüdische ist. So heißt denn die Parole, unter der Liberale und Orthodoxe Zusammengehen können: Gemeinschaftsreligion im Bunde mit subjektiver Religion! Ueber das Uebergewicht der einen oder der andern, darüber mögen die Parteien graduelle UMerschiede sur sich aufstellen, je nach der Thdrakteranlage und Erziehung usw. ihrer Anhänger. Aber positive jüdische Religion ist nicht denkbar ohne.AnerkennungjdesRechtesde.rGemeinschaftsrelig io n. D,ie „Richtlinien" haben das mehrfach betoM. wollen die Liberalen der Orthodoxie im Interesse der Gesamtjudenheit entgegenkommen, so muß es nach der zeremonialen Seite geschehen. — Andrerseits muß der Orthodoxe sich an den Gedanken gewöhnen, daß derjenige, nicht

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