Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Ar. Fuchs: NschUrals das „relative Judentum" stets: „Der Glaubedes Judentums ist auch unser Glaube schon immer gewesen; die christlichen Lehren von Jesus usw. hatten wir uns im Sinne der jetzt gehörten jüdischen Prinzipien zurechtgelegt." — Wenn aber dem so ist, so ist nicht einzusehen, worin die positiv - religiöse Leistung bestehen soll, die Goldmann von den relattven Juden noch besonders fordert. Daß es ihm nicht bloß am äußerlichen Bekenntnis liegt, ist selbstverständlich. Im Sinne der jüdischen Moral leben hie relattven Juden wohl im allgemeinen uicht weniger als die posittven. So 'bleibt also bloß das eigentliche Glauben, die religiöse Empfindung, das. innerliche Leben mit Gott. Das ist nun freilich,eine sehr hohe und unterstützungswerte Forderung an die relativen Juden, und sicherlich wird sich nicht Dolljude nennen dürfen, wem das religiöse Innenleben fehlt. Aber wem fehlt das denn? Wer die Forderungen der SittlickLeit und den kategorischen Imperativ anerkennt, ist doch in Wahrheit schon religiös, — darin stimmt Kant mit Pfatm überein. Das aber wird man doch auch dem relattven Juden nicht abstretten können! Nur das Bewußtsein, Daß eben dies Judentum ist, fehlt ihm vielleicht öfter als. gut ist, und allenfalls noch eine verstandesmäßige Vertiefung in die Gedanken- und Empfindungswelt, die aus der Anerkennung des kategorischen Imperativs sich ergibt. Was Goldmann fordert, bestände demnach nicht in einer Zutat zu der relativ - jüdischen Betättgung, sondern nur in einer graduellen Verstärkung der allgemein menschlichen Religiosität in dein religiös gleichgiltigen Juden. Davon erwartet er die Rettung der jüdischen Gemeinschaft und die SänfttgUng der; Parteikämpfe in unsrer Mitte! Das Universelle Moment unsrer Religion betrachtet er als das „unsichtbare aber stärke Band der Einheit", das 'alle südische Parteien umschlingt! usw. — Diese Konsequenz klingt so utopistisch, daß ich sie Goldmann nicht zutraue; mir scheint vielmehr,- daß er heimlich, ohne es zu sagen und vermutlich ohne es sich selbst , zu gestehen, in die posittv - religiöse Forderung noch etwas andres hineingedacht hat, als sein „Wesen der jüdischen Religion", den ethischen Monotheismus! Das einigende Momenfder jüdischen Parteien kann nicht {in der allgemeinen Religiosität und Sittlichkeit gesucht werden. Wer jüdische Parteien zur Zusammenarbett bringen will, — und -das scheint doch die Hauptabsicht Göldmanns zu sein, wie es die meinige ist, und eine unsrer wichtigsten Gegenwartsaufgaben —, der muß besondere Merkmale nennen, die allen Juden, aber auch nur den Juden zukommen! Dazu gehört, wie gesagt, die jüdische Glaubenslehre nicht. Auch eine allgemeine Ueberlegung führt zu demselben Resultat, daß das „Wesen des Judentums", der ethische Monotheismus, nicht genügt, um das posittve Judentum zu kennzeichnen, das alle Parteien einigt. Das Wort Religion hat zwei Bedeutungen, die schwer von einander zu trennen sind, und die doch für manche Zwecke streng auseinandergehalten werden müssen. Religion bedeutet einmal soviel wie Religiosität, Frömmigkeit, die Summe der subjekttven Gedanken, Gefühle und Taten der Einzelnen, und zweitens eine religiöse Veranstaltung, eine Institutton, für eine Gemeinschaft. Denken wir an die erste Bedeutung, so ist der Satz unanfechtbar: Das Wesen der jüdischen Religion Ist der ethische Monotheismus: Das gesamte persönlich-religiöse Innenleben des Juden kauft darauf hinaus, durch Tugend dem einzigen und heiligen weltlenkeq zu dienendie religiösen Veranstaltungen des Judentums, Teremonial, Sprache, Schule^ Organisation usw., sind nur Mittel zum Zweck. Die Veranstaltungen selbst aber bilden eine neue Einheit, die Institutton der jüdischen Gemeinschaftsreligion, die /nun ihrerseits „Religiosität" in sich