Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Ar. Fuchs : Nochmals das „relative Judentum" tenden in jüdischer Weise. Das fertige Werk wirkt auf den Künstler zurück; der Golem, einmal lebendig gemacht, wird fjerr über seinen Schöpfer. Dassehen wir alle Tage: viel mehr Juden, als man denkt, sind infolge relativ - jüdischer Betätigung äußerlich zur Treue veranlaßt worden, und viele sind sogar innerlich der Religion der Väter wieder näher gekommen: Mittoch schelö lischmohbo lisclimoh! Das ist der Grund, warum wir es gern .sehen, wenn sich recht viele in Ehrenämtern beschäftigen lassen. Mag sein, daß Ehrgeiz und andre weniger ideale Motive für viele bei der Uebernahme von Aemtern bestimmend sind: die Folgen sind für die Gemeinschaft wie für die persönliche Religiosität meist nützlich. Diese zunächst doch Willigen abzuschrecken, indem mandie Relativität ihrer Arbeit für das Judentum betont, halte ich für einen Fehler. Unsre Parole muß heißen: Das Ganze sammeln! Selbstverständlich weiß ich, daß das auch Goldmanns Absicht ist: Er möchte die Umkehr zur Religion gerade bei diesen relativen Juden beschleunigen. Ich fürchte aber, daß, wie er dies hier betreibt, ein taküscher Fehler ist. Rur Geduld kann helfen, und bei Gelegenheit die „Süßigkeit der Religion" schmecken lassen! III. Am meisten Unklarheit enthält die dritte These Goldmanns: Das Wesen der jüdischen Religion ist der ethische Monotheismus. Auch dieser Satz bedarf zunächst einer Richtigstellung. Der ethische Monotheismus ist weder das Wesen des Judentums noch der jüdischen Religion, sondern der. jüdischen \(51 a u b e n slehre. Ob aber diese der Kern der jüdischen Religion ist, unterliegt bekanntlich vielen Zweifeln. Wir lassen uns hier durch das deutsche Wort „Glaube" für „Religion" verwirren. In Wahrheit ist Religion die Sunnne unserer Gedanken und Gefühle und Taten gegenüber Gott.. Es> gibt deshalb weite Kreise im Judentum, die mit ebensoviel Recht be^- haüpten: Das Wesentliche in der jüdischen Religion seien die „Thoravorschriften". In diesem Sinne wird bekanntlich sogar der Satz fälschlich gedeutet: Lö hammidrasehickor ello hammaasseh; die christliche Theologie nennt die jüdische Religion deshalb eine Gxsetzesreligion. Mit demselben Rechte aber könnte jemand spezifisch jüdische Gefühle als das Wesentliche der jüdischen Religion, nennen, etwa mit Deuteronomium und Jeremia die Ciefce zu Gott oder mit den f)salmisten die Sehnsucht nach Gott. Das Wesen ist aus der jüdischen Religion ebenso schwer herauszudestillieren 'wie ,ausdem Judentum!, - Wozu braucht denn aber Goldmann sich auf ein so heikles Thema einzulassen? Offenbar ist es ihm darum zu tun, anzugeben, was eigentlich positives Judentum ist. Denn wenn man nach der religiösen Betätigung forscht, welche er von dem positiven Judentum erwartet, so findet man nicht nur keine klare, sondern überhaupt keine andere Antwort als nur diesen Satz vom Glauben an das, was man eben kurz auf die Formel vom ethischen Monotheismus - bringen kann. — Das aber scheint mir im. höchsten Grade bedenklich, \) im Zusammenhang der Goldmannschen Ausführungen und 2) aus allgemeinen Erwägungen. Der ethische Monotheismus, also der Glaube an den Gott der Sittlichkeit und die Anerkennung der Moral als der einzigen Forderung Gottes, ist der universale Bestandteil der jüdischen Religion. Er ist bestinnnt, Geineingut aller Menschen zu werden, und wird heute schon njcht bloß von den Juden, sondern von dem größten Teil unsrer Umgebung anerkannt. Ich habe manchem Christen, der zum Judentum übertreten wollte, die Unterschiede zwischen Judentum und Christentum darlegen müssen; am Ende der dogmatischen Betrachtungen aber hörte ich