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Liberales Judentum · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. Seite 47

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 47 (sequence 23)
Language
German
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o o „ o o Aus der IngenLbervegnng 47 der Stellung unserer Religion im Staate kommt der Vortragende zu.dem Schluß, daß die Selbstverwaltung der indischen Gemeinden sich zwar sehr gut bewährt hat, daß es aber doch für uns notwendig sei, nach Außen eine staatlich anerkannte Vertretung zu erhalten, die u'ns fetzt noch fehlt. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, an der sich die Herren j)rof. Dr. Wohlauer, Dozent Dr. Lewkowitz und Berger beteiligten. Der Wunsch, dem Zentralverein D. St. j. Gl. neue Anhänger zuzuführen, veranlaßte uns, eine j)ropagandaversammlung für diese -Organisation zu veranstalten. Den Vortrag an diesem Abend, dem \. März, hatte unser Ehrenmitglied, Herr Rabbiner Dr. Goldmann. Oppeln, übernommen. Der stellvertretende Vorsitzende verlas zunächst ein in schwungvollen Versen abgefaßtes Telegramm des in letzter Minute am Erscheinen verhinderten Herrn Iusti'rat Berger, Königshütte, und machte dann auf die am nächsten Sonntag stattfindende Besprechung mit unseren Mitgliedern in Liegnitz aufmerksam, hierauf erteilte er dem Redner das Wort zu seinem Vortrag: „Die Notwendigkeit des Gleichberechtigungskampfes". Der Vortragende begründete die Notwendigkeit unseres Kampfes um das Recht und ging dann auf die Stellungnahme der einzelnen jüdischen Richtungen zu demselben ein. Mit Erfolg können wir diesen Kampf nur durchführen, wenn wir uns auf eine festgefügte Organisation stützen können. Wir besitzen eine solche im Zentralverein, der mit aller Macht für unsere Gleichberechtigung eintritt. Die besonders in national-jüdischen Kreisen oft verspottete Arbeit desselben - hat in Wahrheit schon sehr viel Gutes geleistet und besonders zur Hebung des Selbstbewußtseins der Juden bcigetragen. Nach eingehender Besprechung der Tätigkeitsgebiete des Zentralvereins schloß der Redner mit einer begeisterten Aufforderung zum Beitritt. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen. Herr Ba^er dankte dem Redner für seinen Vortrag und überreichte ihm im Namen des Vereins eine Ehrenurkunde, nachdem er nochmals die unermüdliche Arbeit unseres neuen Ehrenmitgliedes im Dienste unserer Organisation hervorgehoben hatte. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Sanitätsrat Dr. Reich und Iustizrat Breslauer, die durch interessante Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit den Vortrag ergänzten. Den Ausführungen der Redner schloß sich Herr Berger mit einem Werberuf an die Anwesenden an. Herr Rabbiner Dr. Goldmann dankte sodann für die ihm erwiesene Ehrung. Nach ll Uhr schloß der stellvertretende Vorsitzende die sehr gut besuchte Versammlung. j Dieser Abend brachte dem Zentralverein aus den Reihen unserer Mitglieder Beitrittserklärungen. Breslau, Mitte März W.6. Walter Tohn. Rundfchau. Der Verein liberaler Juden in Posen lud nach H/s jähriger Kriegsxause seine Mitglieder und Freunde für Sonntag, . den 27. Februar er. zu einem Vortrage des Herrn Rabbiners Dr. Wiener-Stettin über „Religion und Krieg" ein. Der Vortragssaal der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek war bis auf den letzten j)latz von Zuhörern gefüllt. Rabbiner Dr. Wiener führte etwa folgendes aus: Zwischen den religiösen Idealen und den im Kriege sich auswirkend.en Machtkämpfen der Völker scheint eine unüberbrückbare Kluft sich zu dehnen. Und in der Tat, der Zustand der Menschheit, der die religiöse Sehnsucht krönt, ist auf das schärfste geschieden vdn dem Siege der Feindschaft und des Hasses, wie er sich in der Wirklichkeit des Krieges offenbart. Im Erlebnis jener beiden freilich finden wir tiefgegründete Eigenheiten aufs, intimste verwandt. Daß das ungeheure Schicksal, mit dem dieser Krieg zumal uns alle bedroht, - so manchen die Stätten^ der Gottesverehrung aufsuchen ließ, die ihm längst entfremdet, daß die drohende Todesgefahr nach Trost im Ewigen Zahlreiche verlangen hieß, ist nur eine äußere, eine äußerliche Erscheinung. Wichtiger schon ist die innere Erhebung und Reinigung, die seelische Erschütterung und Läuterung, die Kraft zur Be-

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