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Liberales Judentum · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 46 (sequence 22)
Language
German
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46 , Mcherschan; Wenn wir demi Namen „Heinrich Heine" begegnen, übevkommt uns stets ein Gefühl, gemischt aus Liebe und aus Schmerz. Lin Gefühl der Liebe zu diesem unsterblichen Sänger aller süßen Leiden und Freuden, die jedes' Menschen Jugend durchtönen. Wir berauschen uns an dem glühenden Trank des Lebens, den er selbst mit lechzenden Lippen getrunken und den er uns Nun kredenzt in seinen Liedern. Und wir fühlen, tiefen Schmerz um diesen Liebling der Götter, der Mt lachendem Munde und blutendem Kerzen das Heiligste verspottet, Liebe und Vaterland und Religion, und der elend und einsam in seiner Matratzengruft endet. Lndet mit einer ungestillten, glühenden Sehnsucht im Herzen nach wahrer Liebe, nach seinem Vaterlande, das ihn ausgestoßen und' nach der Religion seiner Väter, die er von sich geworfen und nach der er sich nun zurücksehnt mit der heißen Inbrunst seiner Seele. wie viel ist geschrieben und gesagt worden über Heinrich Heine! Und jetzt liegt ein Heine-Roman vor uns von einer Dichterin, die sich mit wunderbarem Verständnis einzufühlen versucht hat in die Rätselseele des Dichters und in die scheue Seele der „letzten Blume seines traurigen Herbstes", der vielgenannten, geheimnisvollen „Mouche" der „kleinen Fliege". Ls ist geradezu überraschend wie Doris Wittner es verstanden hat — besonders in den ersten Kapiteln des Buches — ganz und gar Heines Schreibweise wiederzugeben und seine Gestalt lebendig vor uns hinzuzaubern. —• wir sehen jhn im Hause seines Oheims, Salomon Heine, wie er mit seinem beißenden Witz die ganze Sippe verhöhnt. „Banko zum Gruß, ihr Teuren und Treuen, wie geht es euren edlen Leiblichkeiten?" So begrüßt er sie spottend. Und in dem Hause seines Oheims sieht er ein kleines, blasses Geschöxfchen, das Ge- ^sichtchen zart wie von geheimen Weh durchzittert. Das ist Llise Krienitz, von der es heißt: „Armes, kleines Ding Du, Du bist schon so eine rechte Kummerfliege — immer flatterst Du in irgend eine lockende Helle him ein und immer findet man Dich dann mit schlaffen, halbgebrochenen Flügeln wieder." So vollzieht sich das Schicksal der kleinen Fliege, die das Bild Heinrich Heines seit ihren Kindertagen tief im Herzen trägt und ihn erst findet, als ihre Flügel schlaff und ge- " brachen sind. . ' Dieser Heine-Roman, aus Dichtung und Wahrheit planvoll gewebt, ist ein packendes Kunstwerk voll Geist und poetischer Gestaltungskraft, das innner zu fesseln weiß, sei es als Kulturgemälde, sei es als Llühend-sinnlicher Liebesroman. Ls hat einen eigenen Reiz, zu sehen, wie sicb das Leben und die persönlickkeit dieses vielgeliebten und vielgehaßten Dichters in der Seele einer tief empfindenden Dlchlerin wieder, spiegelt. Ella Seligmann. Aus der Jugendbewegung. JüdischUrbrraler Jugendverrin zu Sreslau. Neben unserer fortgesetzten regelmäßigen Versammlungstätigkeit haben wir es nicht unterlassen mit unseren Feldgrauen weiter in regem Briefwechsel zu bleiben, die uns immer wieder ihre freudige Zustimmung zum Ausdruck bringen, daß wir auch im Kriege unsere Arbeit nicht unterbrochen haben. Unter den in letzter Zeit eingegangenen Feldpostbriefen. .möchten wir besonders' einen sehr interessanten und ausführlichen Bericht unseres Mitgliedes, des Herrn Feldrabbiner Dr. Levi erwähnen. Am \5. Februar hatten wir unsere Mitglieder zu einem Vortrag des Herrn Iustizrat IoA,' Breslau, eingeladen. Das Thema lautete: „welche Lehren können wir aus der preußischen Gesetzgebung über .die Rechtsverhältnisse der Juden bei dem inneren Ausbau des .religiösen Lebens unserer Glaubensgemeinschaft ziehen?" In fesselnder Ausführung behandelte der Redner zunächst die Frage, warum das religiöse Judentum in Preußen eine führende Stellung in allen Fragen der Iudenheit erlangt!hat. Die in politischer Hinsicht nicht immer giünstige Gesetzgebung ließ den Juden doch stets ihre volle religiöse Freiheit. So entstand in 'Preußen die moderne jüdische Wissenschaft, als deren Begründer man Zunz ansehen kann. Nach eingehenden geschichtlichen Betrachtungen über die -Lntwickelung

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