Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nv. Csblen;: Religion im Felde 41 -;---;--t-:-——. Ich komme darum auf Meinen Vorschlag zurück und erachte es als notwendig, die Rinder anzuhalten, daran zu gewöhnen, in jeder Woche einem anderen Gottesdienst beizuwohnen. Gin Zwang wird nicht geübt, kann nicht geübt werden, weil sehr pst die überaus besorgten Eltern gerade den Besuch des Gottesdienstes nicht für wichtig erachten und ihm nicht den hohen Wert beimessen, den für sie inbezug auf ihre Rinder die Nachmittagsausführung. eines Weihnachtsmärchens hat. Erziehen, heißt gewöhnen an das Gute und Schöne. Religion im Seide. Von Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld. In unsers Busens Reine wogt ein Streben, Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben, Enträtselnd sich den Ewig-Ungenannten, Wir heißen's: fromm sein. Goethe. ind unsere Soldaten im Felde religiöser geworden? Viele bejahen die Frage unbedingt. Sie weisen auf so manches Bekenntniswort hin, das von draußen in die Heimat geschrieben wird: „Ich bin wieder gläubig geworden!" . „Ich habe meinen Gott wiedergefunden. Im Wetter der Schlacht hat er mich vor Tod und Verderben behütet!" Sicherlich sind diese Aeußerungen religiöser Gesinnung ehrlich gemeint. Und doch wäre es verfehlt, wollte Man schon aus ihnen den Schluß, ziehen, der Rrieg habe unseren Soldaten im Felde neues religiöses Lieben gebracht. Ich fürchte vielmehr, die werden recht behalten, die in solchen Bekenntnissen nichts weiter sehen als das vorübergehende 2lufflackern einer religiösen Stimmung, die unter dem unmittelbaren Eindruck einer persönlichen Gefahr plötzlich emporflammt, um ebenso plötzlich wieder zu erlöschen, wenn die Gefahr vorüber ist. Religiöse Stimmungen, die nur aus der Angst der Stunde geboren werden, können den- Menschen innerlich nicht wandeln. Unendlich viel höher stelle ich ein anderes. In. vielen Briefen, die ich von Soldaten aus dem Felde bekomme, habe ich immer wieder den Ausdruck herzlicher Freude darüber gefunden, daß es ihnen draußen bisweilen vergönnt ist, an einem jüdischen Feldgottesdienst, und gerade an einem solchen, teilzunehmen. Sie schreiben auch offen, was sie dabei so froh macht: nicht nur die Möglichkeit, mit einem Menschen über alles sprechen zu können, der als Diener der Religion zu ihnen kommt und nach dem Gottesdienst jedem einzelnen menschlich näher zu treten sucht, sondern es sind vor allem die lieben, trauten Heimatsklänge, die aus dem Gottesdienst in ihre Seele hineinklingen. Da denken sie an ihre Rinderjahre zurück, an das religiöse Leben im Elternhaus, vielleicht an die Freitagabende bei Vater und Mutter, an das stille, sonnige Glück, das von diesen Abenden für sie ausstrahlte, und das. im Drängen des Alltagslebens dann wieder verloren ging, bis im Feldgottesdienst mit einem Male die Erinnerung wieder lebendig wurde: denkst du noch daran, wie schön es war? — Dder sie haben draußen Rösch haschono, Jom Rippur gefeiert. Und wieder wunderten ihre Gedanken heimwärts, und wieder dachten sie an die Lieben in der Ferne: jetzt gehen sie auch daheim ins Gotteshaus; jetzt beten sie wie wir die alten, vertrauten Gebete; jetzt singen sie dieselben alten Melodien. Da spinnen sich leise die Fäden hinüber und. herüber. Es ist, als ob ein Engel