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Liberales Judentum · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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Ar. Seligmann Aer Krieg und die göttliche Mrltrrgiernng 37 selbst die Zuchtrute geschaffen, unter deren blutigen Schlägen er stöhnt. Liebe und Wahrheit begegnen sich, Gerechtigkeit und Frieden! küssen sich auf Erden?) Wie in dem Märchen der Königsohn die verzauberte Prinzessin aus der Gewalt des Lösen Geistes befreit, so wird der Königsohn aUf> Erden, d!er Mensch, die sittliche Welt erlöst haben aus dem dämonischen Bann, unter der sie steht. Sage keiner, das ist ein Phantom, ein schöner Traum, ein Schatten unserer Einbildung. Selbst wenn er das wäre, wie könnten wir ohne ihn das! Leben, tragen wollen? . Ab er es ist kein Traum. Beherrschung der Natur und Selbstbeherrschung vermögen heute schon viel. Was werden sie erst vermögen, wenn alle Kräfte der Menschheit, statt sich selbst zu zerstören, sich zusammenschließen zum Kampf gegen daS gemeinsame Nebel, gegen den gemeinsamen großen' Feind des Glücks der Menschen! wenn es wahr ist, was die Wissenschaft lehrt, daß der Mensch aus dem unbowußten Dämmerleben der Tierheit sich zu dem wunderbaren Lichte des Bewußtseins emporgerungen, wenn es wahr ist, .daß in geschichtlich nachweisbarer Zeit die Menschheit aus der urweltlichen Barbarei zu der heutigen Bildung emporgestiegen ist, sollte sie nicht alle letzten Unvollkommenheiten, alle letzten Uebel, die — wie dieser furchtbare Krieg — aus der sündhaften, dämonischen, blinden, sinnlosen Herrschaft der bösen kNatur hervorgegangen sind, sieghaft überwinden, so daß am; Tage der Vollendung keine Frage an *) Micha 4, 2—4. Jesaja I I, 6—9. Psalm 85,11. die göttliche Weltregierung mehr übrig bliebe? Und wenn bis zum Tage der Vollendungs noch Aeonen vergehen, in denen Not kund Tränen sein werden, und wenn bis zum letzten Siege noch zahllose Kämpfer fallen, so sind sie wie Soldaten, die sauf den Schlachtfeldern der Menschheit fallen, den Sieg vor den Augen. wer an diesen Sieg glaubt, dem versinken heute schon die Uebel "dess Lebens, der geht selbst in den Tod, wie die Märtyrer aller Zeiten, stark durch den Glauben an die heilige Sache. Das Bewußtsein einer heiligen, großen, siegesgewissen Aufgabe, an die wir unser Lebest M setzen haben, trägt uns empor wie zu hochlandsgipfeln, wo alle kleinen, engen, selbstsüchtigen wünsche in unendlicher Ferne verdämmern. Die Seele wird weit, der! Blick dringt empor, des Himmels Vorhang zerreißt, wir sehen ein Ziel, des Lebens und Sterbens wert und fühlen uns stark und groß durch unser Glauben und Bussen. Sv mag der Weltkrieg heute über die Erde brausen. Durch Kampf und Not, durch Nacht und Sturm schreiten wir glaubend und hoffend zu Sieg und Frieden: Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht, Uns soll darob nicht bangen. Auf leisen Sohlen über Nacht Kommt doch der Lenz gegangen. l Und wenn uns oft auch brangt und graut, Ms fei die hüll auf Erden, 'Nstr unverzagt auf Gott vertraut! Es) stijUß doch Frühling werden. *

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