Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3126481-3126571-3126572--2061-3128897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 Rundschau: Berlin rnanch prinzipieller Frage, die im orthodoxen Bayern nicht so leicht zü lösen war, verstand er es, durch seine Energie und Tatkraft, die er mit weiser Mäßigung und feinem Takte paarte, eine befriedigende und günstige Wendung zu finden. Aber nicht nur für die liberale Bewegung des Judentums setzt er seine volle Persönlichkeit ein, nein, alles, was mit dem Judentum, seinen Interessen und Lebensbedingungen, feinem Fortschritt und seiner Entwicklung zu tun hat, erfreut sich seiner Förderung und seiner Anteilnahme. Seit 23 Jahren Mitglied der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, seit 8 Jahren ihrem Vorstand angehörend, hat er am Blühen und an der Entfaltung ihres Gemeinwesens tätigen Anteil genommen, und es gab wohl in dieser langen Zeit kein Problem von kleiner oder großer Bedeutung, an dessen Lösung er nicht beteiligt gewesen wäre. Die vielen Wohltätigkeitsanstalten, überhaupt das mänigfache Vereinsleben der Kultusgemeinde fanden in ihm einen stets bereiten Helfer und Lenker; das bezeugen am besten die zahlreichen Ehrenämter, die er bekleidet. Als eine seiner Lieblingsschöpfungen darf man wohl das isr. Mädchenstift bezeichnen, dessen Organisation und Vorstandschast er f903 übernahm und seither in mustergiltiger Weise fortführt. weit über die Grenzen des Judentums hinaus ist Moritz Gombrich's Name durch seine umfassende Tätigkeit im Turnwesen bekannt. Es würde zu weit führen, im Nahmen dieses kurzen Abrisses seine Anteilnahme und Verdienste auf diesem Gebiete auszuzählen. Es mag genügen, daß, er mehr denn ^0 Jahre diesem echt deutschen Sport eng verbunden ist und in der bayrischen Turnerschaft eine vertrauensstelle einnimmt. Auch im Tierschutz-Verein, im Verein für öffentliche Gesundheitspflege, im Verein für Ferienkolonien, überall stand er in erster Reihe. Auch in seinem bürgerlichen Berufe war der Erfolg ihm treu. Die von ihm im Jahre s869 ins Leben gerufene und bis Oll von ihm selbst geleitete Gombrich'sche Knabenlehranstalt, eine sechsklassige Realschule mit Vorschule, gehört zu den ersten und angesehensten Bildungsanstalten Nürnbergs. Eine schier unzählige Schar dankbarer Schüler gedenkt mit besonderer Anhänglichkeit und Liebe ihres allverehrten Direktors. Wir schließen uns der Schar der Glückwünschenden aus vollstem Kerzen an, und nichts Besseres können wir dem geschätzten Jubilar und uns selbst wünschen, als das Eine: möge er nn Dienste des liberalen Judentums noch viele Jahre wirken und schaffen — sich selbst zur Befriedigung und Ehre — unserer Sache zum Heile und Segen! L. D. Berlin. Am 25. Januar b. J. veranstaltete der Liberale Verein für die Angelegenheitender füdischenGemeinde in Gemeinschaft mit der Vereinigung für das liberale Iudentuin in Deutschland einen Vortragsabend. Herr Justizrat j)lonsker begrüßte als Vorsitzender des liberalen Vereins die Versammlung und erteilte nach kurzem Bericht über die Tätigkeit des Vereins dem Redner des Abends, Herrn Rabbiner Dr. Laesar Seligmann ausFrankstirt a. M. zu seinem Vortrage: „Der Krieg und die göttliche weltregierung" das Wort. Die zahlreiche Versammlung lauschte dem anderthalbstündigen Vortrage mit gespannter Aufmerksamkeit und zollte dem Redner für seine fesselnden, in überaus glänzender Form gebotenen Ausführungen begeisterten Beifall. Der Vortrag wird auf allgemeinen Wunsch «im Druck erscheinen.