Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3126481-3126571-3126572--2060-3128896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus dem hinterlassenen Tagebuchvsn Nich. Rosrnburg 21 Zetzt f ü h l 1 e n wir', was wir vorher nicht zu ergrübeln vermocht. Fühltens im Kerzen, was wir vorher verlachten. Aber jetzt spotteten wir nicht mehr, dawir sahen, wie stark es in uns war. wir glaubten wieder. IrrirviUige vor! Fünf Millionen stehn in der Schlacht, Von tausend Kanonen donnernd umkracht. Von tausend Kanonen tödlich umwettert. Reihenweise niedergeschmettert. Und wir könntens schamlos ertragen Umherzulungern in weichem Behagen, Könnten trotten in alten Geleisen Während feindliche Granaten unsre Brüder zerreißen,. Die für die Heimat ohne zu fragen, Ohne zu klagen 3£jr Leben wagen. Fort nun mit weichlich weibischem Zageü Schwankendem Zögern. Fort! Fahr von hinnen Feige Furcht. Groß sei euer Beginnen - iGroß wie die Zeit, groß wie die Not Groß wie der Tod. Verderbenschwanger hängt die Gewitterwolke über unserem Haupte. Aber wir zagen nicht. Mag den Neben-' mann der Blitzschlag zerschmettern, mag er' uns selber treffen. Das Opfer ist nicht vergebens. Zch fühle den Odem einer neuen Zeit. Unser Blut düngt den Söhnen den Boden. Stärker und reiner werden wir aus diesem Kriege kehren. Stärker und reiner wird aus ihm das kommende Geschlecht wachsen. Ründfchau. In Direktor Gombrichs 70. Geburtstag (7. Februar 1916). s ist eines der typischen Merkmale der jetzigen Zeit, daß man die rein persönlichen Momente, die Ereignisse, die nicht mit dem Kriege in Zusammenhang stehen, in den Hintergrund treten oder gar verschwinden läßt. Aber gewiß entspricht es einem Bedürfnis gar vieler Freunde und Anhänger des liberalen Judentums, wenn wir heute von dieser Regel abgehen und mit kurzen Worten eines Mannes gedenken, dessen Verdienste um unsere Sache zu markant und vielfältig sind, als daß wir seinen Ehrentag stillschweigend übergehen könnten, wir wissen genau, daß es dem schlichten und anspruchslosen Wesen des Zubilars vielleicht sympathischer wäre, wenn wir von jeder Feier, sei sie auch noch so bescheiden, absehen wollten, allein es gibt —- wie in unserem Falle! — eine innere Stimme, die uns drängt, das zu tun und zu sagen, was gerade ein solcher Gedenktag in uns weckt und auslöst. Als die liberale Bewegung im Judentum vor nunmehr acht Jahren mit Macht einsetzte, als sich alles, was frei und modern empfand, mit Jubel der neuen, mehr Licht verheißenden Richtung anschloß, da war Direktor Moritz Gombrich einer der ersten, die mit Eingebung und Begeisterung das Banner dieser Sache ergriffen. Nicht nur zählte er zu den Gründern.und der Vorstandschaft der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, er gründete auch dessen Ortsgruppe in Nürnberg, deren erster Vorsitzender er seither ist. Mit Geschick und unermüdlicher Ausdauer widmete er sich den Aufgaben des Vereins, der sich unter seiner Leitung zu einem der bedeutendsten jener Bewegung in ganz Deutschland entwickelte. Manchen Strauß hatte Moritz Gombhich. djurchzukämpfen, in