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Liberales Judentum · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Ar. SaLxberger: Aus meinem Kriegstagebuch VII. o o o o die (892 erbaut ist, sah ich nur im vorbeifahren. Lille hat eine reiche jüdische Gemeinde. Am 5. August (9(5 sahen wir uns zur dritten Konferenz in S t. Quentin. Rollege Levv hatte durch die R-ommandantur für unser Unterkommen gesorgt. Das war nicht leicht, denn das Bahnhofshotel, wo wir einquartiert wurden, war von einer ansehnlichen Zahl evangelischer Feldgeistlicher belegt, die der gleiche Zweck hier zusammenführte. St. Quentin — es wird von unfern Militärs allgemein deutsch ausgesprochen — macht nicht den Lindruck einer regen Industriestadt von 55 000 Linwohnern. Aber dafür ist es -dem Besucher ehrwürdig-durch die Geschichte, die es sichtbar verkörpert. Jenseits der breitem Brücke über den Ranal, der Schelde, Seine, Oise nnt) Somme verbindet, liegt der „j)latz vom 8. Oktober" mit dem gleichnamigen Denkmal zur Erinnerung an die erfolgreiche Verteidigung der Stadt im Jahre (870. Industria hält mit der Rechten den Spinnrocken und legt ihre Linke schirmend um den Bürger, der bei ihr Schutz sucht. Auf dem Sockel ist die Moulin Tout vent abgebildet, die jetzt wieder wie vor 45 Jahren Zeugin schwerer Rümpfe geworden ist. Man erinnert sich, daß St. Quentin schon damals eine unglückliche Rolle spielte. Zu Anfang des Jahres (S7( warf General Goeben mit nur 5 Divisionen die bedeutend stärkeren Truppen unter Faidherbe nach der Stadt und nach der Straße von Tambrai zurück. Der Rückzug endete mit einer vollständigen Auflösung der französischen Nordarmee/ Geht man nun die ansteigende enge Hauptstraße nnt ihren alten Häusern hinauf, so sieht man sich plötzlich auf dem Marktplatz. Man glaubt sich ins Mittelalter versetzt. Geradeaus grüßt der zierliche gothische Bau des Rathauses (aus dem (6. Jahrhundert) nnt einem hohen Turm (aus dem (8. Jahrhundert.), von dem alle Viertelstunde ein Glockenspiel heitere lveisen ertönen läßt. Linker Sand steht das Theater, das zwischen so vielen hohen spitzen Giebeldächern sich recht breit und wuchtig ausnimmt.. In der Mitte des. Platzes erhebt sich das herrliche neuzeitliche Tolignv-Denkmal. Auf hohem Postament steht die Stadt als Frau mit gezücktem Schwert, hinter ihr, sie weit überragend, La France mit der Fahne. Am Fuß des Postaments ist eine Gruppe von Bürgern um die Heldengestalt des- Admirals de Loligny, der im Jahre (557 gegen die spanische Armee Philipps II., die St. Quentin belagerte, sich todesmutig, aber vergebens zur Ivehr gesetzt hat. „Civis murus erat" lautet die lapidare Aufschrift am Sockel. Ls hat etwas Tragisches, daß auf diesem Hlatz. im Anblick dieses Denkmals jeden Mittag die deutsche Ivache aufzieht und die Rapelle deutsche Lieder spielt. Oestlich vom Rathaus führt die Andreasstraße zur Basilika. Dieses berühmteste Bauwerk der Stadt, dessen Anfange bis ins (2. Jahrhundert zurückgehen, wirkt von außen auf den Beschauer weniger gewaltig, weil es zwischen Sausern eingeengt steht. Dagegen überwältigt das Innere durch seine Höhe und lveite, durch die Farbenpracht der gothischen Fenster und durch die blendende Schönheit des Hauptaltars. Basreliefs stellen. Szenen aus dem Leben des Hl. Quentinus dar, nach dem die Stadt genannt ist und dessen Gebeine hier ruhen. Draußen auf dem Rordfriedhof ruhen auch heilige Gebeine, es sind die Leiber der gefallenen Rrieger von (870/7(, und schon ist ein neuer Soldatenfriedhof entstanden mit schlichten Solzkreuzen, die zu Häupten der Gräber von (9(H/(5 aufgerichtet worden sind. Die Stadt hatte den f)latz seit Jahren für einen Friedhof ausersehn, der Rrieg hat ihn ungeahnt. rasch gefüllt. Die Einweihung des Denkmals, das die Erinnerung der deutschen und der französischen Helden gleicherweise ehrt, fand vor wenigen Monaten in Gegenwart des Raisers statt. In dem Hellen Saal eines früheren

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