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Liberales Judentum · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. Seite 15

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Ar. Salzberger: Aus meinem Kriegstagebuch Vll 15 allgemeine Mrientierung, die schon Gegenstand der Sechsrnännertagung gewesen war, zuin Abschluß zu bringen. Insbesondere wurden die Vorbereitungen für die Feier des bevorstehenden Gefach-Festes besprochen. Bereits Um Uhr wurde die Ätzung geschlossen. 2vir trennten uns mit dem Vorsatz, in regelmäßigen Abständen von \0 bis \2 Wochen zusammenzukommen. Die folgenden Konferenzen waren reichhaltiger und' ergiebiger, wenn auch die bsauptgegenstände der Tagesordnung natürlich die gleichen bleiben. Line Gruppe von Fragen betrifft die Ausgestaltung der Feldgottesdienste. Soll die Teilnahme recht vielen ermöglicht werden, so muß die Ankündigung des Gottesdienstes zur rechten Zeit, auf dem rechten Wege und mit dem gehörigen Nachdruck geschehn. Die Begehung der religiösen Feiertage erfordert jedesmal sorgfältige Beratungen. Zu Bosch haschono und Jomkippur wurde von den Rabbinern ein besonderes Feldgebetbuch und eine Festschrift herausgegeben. , Line zweite Gruppe von Fragen beschäftigt sich mit der Seelsorge in engerem Sinne: Schaffung und Beschaffung geeigneten jüdischen und zumal jüdisch-religiösen Lesestoffes zum Zweck der Verteilung an die Besuck>er der Gottesdienste und die Insassen der Lazarette. Weiterhin gibt die Stellung der Feldrabbiner manche Frage auf. Ursprünglich nur zugelassen und auf Anregung des „Verbandes der deutschen Juden" von den Großgemeinden mit einer monatlichen Feldzulage versehen, mit der die Rosten für eine standesgemäße Lebenshaltung und für Ausübung religiöser Liebeswerke.zu bestreiten waren, sind wir durch Reichtagsbeschluß seit dem h August faktisch den überetatsmäßigen freiwilligen christlichen Feldgeistlichen gleichgestellt, insofern wir die gleiche monatliche Aufwandsentschädigung vom Staate erhalten. von Wichtigkeit ist nun auch die tatsächliche Gleichberechtigung, die Heranziehung des Feldrabbiners bei offiziellen Anlässen wie Denkmals- oder Friedhofseinweihungen oder seine Lntlastung durch Linstellung von Rabbinern und Rabbinatskandidaten als Hilfsgeistliche — Fragen, die noch nicht endgültig gelöst sind. Endlich werden Schöpfungen beraten, die den Krieg zu überdauern bestimmt sind: eine Denkschrift, die alle Erfahrungen der jüdischen Feldseelsorge als wertvolles Material künftigen Zeiten überliefert, und eine Stiftung, die von den Feldrabbinern begründet, von den Kameraden im Felde unterstützt, die Not der Hinterbliebenen gefallener jüdischer Krieger lindern helfen soll. Im einzelnen ergeben unsere Konferenzen Unterschiede in der Art der Ausübung unseres Berufes; je nach der Ligenart der Persönlichkeit und nach den besonderen Verhältnissen: der Größe und Ausdehnung der Armde, der er zugeteilt ist, dem mehr oder minder engen Einschluß an das Kommando, dem er angehört, hat der eine größere, der andere geringere Betätigungsfreiheit. Einig sind wir alle in der Erkenntnis der Schwierigkeiten, namentlich den technischen, die durch die Einschränkung des Kraftwagenverkehrs noch bedeutend gewachsen sind, einig aber ' auch in der Anerkennung des Entgegenkommens der militärischen Behörden und der andersgläubigen Kollegen, einig in dem Stolz auf die Tapferkeit und Tüchtigkeit, den sittlichen Ernst und die religiöse Selbstbesinnung unserer jüdischen Kameraden, einig darum auch in der Liebe für unsere dem deutschen Vaterlande und dem Judentum gleichermaßen gewidmete einzigartige Aufgabe. Die zweite Feldrabbiner-Konferenz fand in Lille statt. Ich war schon von Hirsorö aus mit den Kollegen Baerwald und Thone dorthin gefahren. Es war ein gespenstischer Anblick, wie aus dem Dunkel der Nacht die Trümmer des riesigen Bahnhofsviertels sich hoben. Ich hatte viele zerschossene Dörfer gesehen; aber hier in der Stadt war das

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