Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3126481-3126571-3126572--2052-3128888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. Satzbrrgrr: Aus meinem Kriegstagebuch VII. 13 2lnschauung, die der einzelne Hat, sich zu gemeinsamem Gottesdienste zusammenfinden kann, ohne daß auch nur eine Spur von Unstimmigkeit und von Beeinträchtigung des religiösen Gefühls sich bemerkbar machte. Und da denkt wohl mancher, wie das möglich sei, weil er die Zustände daheim vor Augen, hat, wo alles sich in gewohnten Bahnen und in altgewohnter Weise abspielt, wo der Unterschied zwischen den Gottesdiensten der einen und der anderen Richtung schon rein äußerlich so gewaltig ist, daß die Kluft unüberbrückbar erscheint. Bei uns aber, die wir schon zufrieden sind, uns zu gemeinsamer Andacht versammeln zu können, gibt es keine Äußerlichkeit, sondern aus tiefstem Kerzen strömt eines jeden Gebet in stillem Sichvergessen. Zm prunklosen Raume eines zerschossenen öauses vermißt keiner die Fracht reformierter Gotteshäuser, und keiner fragt, welcher Richtung der Feldrabbiner angehöre, und dieser selbst vertritt nicht mehr einen gesonderten Standpunkt, sondern sich eins wissend mit seinen lauschenden Kameraden, graubärtigen Kriegern und blühender Zugend, findet er Worte, die von bs erzen kommen und zu bi erzen gehen und die Zuhörer mit sich fortreißen. Er spricht denen, die in den Schützengräben liegen und d enen, die die Schlachten kämpfen, vom Ausharren, das gekrönt wird, von Glaube und Zuversicht in Gott, die uns aufrechterhalten in schweren Stunden, er.spricht von Gottes Schutz und Beistand, von-seiner allwaltenden Gerechtigkeit, mit der er. die Völker richtet, spricht von der heiligen Lehre 'usid von den Worten der j)salmisten, die wie für unsere Zeit geschaffen scheinen, und wenn er den Priestersegen spricht, schleicht sich in. manches rauhen Kriegers Auge eine stille Träne. Keiner, empfindet es etwa als unangebracht oder gar störend, wenn die hebräischen Gebete im alten Ritus, den sie von Kindheit an kennen, den aber viele leider nicht mehr kennen, ertönen, keiner, wenn er andererseits ihren deutschen Wortlaut vernimmt. Und alle, die Gelegenheit haben an solchen Gottesdiensten teilzunehmen, an solch vertieften und verinnerlichten, die keine äußerliche Mache notdürftig Zusammenhalten muß. sie alle geloben wohl bei sich, es auch späterhin, in ruhigeren Tagen, so zu halten. Denn was in solch ernster Zeit/ unter solch gefahrvollen, aufregenden Umständen sich als gut erweist, das muß — d i e Ueberzeugung drängt sich ihnen auf — für immer lebenskräftig und heilbringend sein. Darum hegen sie alle im cherzen den Wunsch, wenn es ihnen vergönnt fein sollte, einst zurückzukehren zu Daus -und cherd, diese Erfahrung, die ihnen als Geschenk des Krieges geworden, in die Tat umzusetzen und diesen Geist wahren religiösen Empfindens und wahrer religiöser Eintracht hochzuhalten und mit allen Mitteln zu fördern. Kriegsfreiwilliger Frohmann. ÜU8 meinem Kriegstagebuch. Von Rabbiner Dr. Salzbercjer-frankfurt a. 111. VII. Feldrabbiner - Konferenzen. er hätte sich träumen lassen, daß der Krieg das möglich machen würde: Feldrabbiner-Konferenzen! Und doch sind Konferenzen von Berufsgenossen, -von Aerzten und Militärbeamten, sei es einer Armee, sei es mehrerer, eine natürliche Folge des langes Stellungskrieges im Westen. Auch die christlichen Feldgeistlichen Haben sich wiederholt zu Tagungen zusammengefunden, und die evangelischen des gesamten Westheeres sind bei solcher Gelegenheit einmal im Gr. Hauptquartier vom Kaiser empfangen worden. Für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.