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Liberales Judentum · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. Seite 12

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Ein Geschenk des Krieges Nehmen wir selbst cm, Goldmann habe recht und die heutige Generation der relativen Juden habe für das Judentum keinen oder nur einen geringen Wert, so sollte man doch bedenken: diese relativen Juden haben Söhne und Töchter, die wiederum im Judentum aufwachsen und die in jüdischem Wesen und Wissen herangebildet werden sollen. Verfolgt Goldmann aber seinen Gedanken bis zu Ende, daß das relative Judentum sich nur „auf dem Lsaß der Welt und der Iudennot aufbaue" und deshalb als solches ausgemerzt werden müsse, dann treibt er mit dieser Theorie nicht nur diese relativen Juden, sondern auch ihre Kinder, und Enkel aus der jüdischen Gemeinschaft hinaus und nimmt daher dem Judentum und zwar in erster Linie .dem liberalen Judentum seine Zukunft. Auf andere Weise soll sich die 6n 6etckenk des Krieges. s gab einmal eine Zeit, da unterschied man im Judentum drei religiöse Richtungen: die Orthodoxen, die keinen Finger breit von der alt hergebrachten Reberlieferung wichen, die Mittellinie, die zwar die Ueberlieferung in vollem Umfange anerkannte, sie aber nicht streng beachtete, teils aus Bequemlichkeit, teils aus Rücksicht auf den Erwerb, und dann noch die Reformpartei, die sich lossagte von der Verbindlichkeit der Gesetze. So war es, glaube ich. Denn wir Heraußen im Felde, müssen unsere Gedanken schon recht zusammennehmen, wollen wir ^ach der langen, langen Zeit unseres Fernseins von der Geimat diese Richtungen wieder herausbringen und herausklügeln. Auf einmal war nun der Krieg ausgebrochen, und es gab nur noch Deutsche. Das Gezanke der politischen Parteien in den großen Tageszeitungen verstummte, und in gleicher Weise verschwand aus unseren jüdi- Friedensliebebetätigen! Duldsamkeitund Anerkennung der Tätigkeit des Einzelnen für die' jüdische Gemeinschaft, mag sie auch nicht immer nur in positiv-religiöser Grundlage wurzeln; nicht aber eine Verfehmüng des Juden, dessen Weltanschauung im einen oder im anderen Punkte, abweicht. Willkommen soll Zeder sein, der ein Herz für jüdische Interessen hat und die Vorzüge der jüdischen Religion und Lehre zu würdigen v erst e h t. Line solche Züsamm enarbeit wird auch ein s ich e r e r und b e ss er er Nährboden für die Zukunft des jüdischen Liberalismus sein, als eine Utopie, die auf einer ungesunden Grundlage, von der Versöhnung liberaler und orthodoxer Richtungen träumt. scheu Zeitungen und Zeitschriften das unwürdige, oft in gehässiger Form betriebene Wortgefecht der einzelnen religiösen Anschauungen; bestehen aber blieben die drei Richtungen nach wie vor, wenn man es auch nicht mehr an die große Glocke hing, daß man dieser oder jener Richtung angehöre, und wenn man es auch keinem mehr zum Vorwurfe machte, daß er dieses tat und jenes unterließ. Denn der Krieg hat vieles in den Hintergrund gestellt, was man vor ihm als eine der wichtigsten Zeitfragen gekennzeichnet hatte; er hat auch manchen, und das ist eines der wohltätigen Ergebnisse des Krieges, über seinen. Irrtum belehrt und ihn duldsamer gemacht gegen seinen Mitmenschen, der ihm bisher vielfach nur als Gegner, nicht aber als Anhänger desselben Glaubens gegolten.hatte. Was uns aber hier Heraußen im Felde noch in ehr zmn Bewußtsein gekommen ist, ist die Tatsache, daß man trotz der persönlichen

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