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Liberales Judentum · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. Seite 9

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. Rudolf Geiger - Frankfurt «. M .: Relatives Judentum (Gntsrguuns) 9 Gebieten betätigen, eine Betätigung, die eben den Lehren des positiven Judentums entspringt. Daß das „Trotzjudentum" seine Entstehung dem Antisemitismus verdankt, ist selbstverständlich!, denn sonst hätte es keinen Sinn. Ebenso selbstverständlich aber istes, daß die allermeisten Juden, die sich in den Dienst der Abwehrtätigkeit > stellen, davon überzeugt sind, daß sie für eine gute Sache fechten. Zum Vergnügen allein, nur um Agitationsreden zu halten und n u r um Angriffe zurückzuweisen, wird kaum ein Jude gegen den Antisemitismus auftreten. Daß aber sich eine so stattliche Schar begeisterter jüdischer Kämpfer für Judentum und gegen Antisemitismus gebildet hat, beweist zwingend, daß diese Juden davon überzeugt sind, für ein Ideal zu kämpfen; denn fotift ist ein derartiger hartnäckiger, aufopferungsvoller und selbstloser Kampf, wie er jetzt schon seit Jahrzehnten geführt wird, tatsächlich unmöglich. , Dieses Ideal kann aber, soweit rächt National-Iudentum in Frage kommt, logischer weise nichts Anderes sein, als die religiöse Seite der Sache, d. h. die Erkenntnis, daß das Judentum als Religion verteidigt werden muß, daß die jüdische Religion das Gute auf Erden darstellt, das nicht von antisemitischen Vorwürfen beschmutzt werden darf. Und insoweit finden wir also auch bei diesem Trotz-Judentum tatsächlich ein positivjüdisches Bekenntnis, auch wenn es mit noch so viel subjektiven Einzelanschauungen vermengt ist und den starken Anforderungen Goldmanns nicht genügen mag. Ganz das Gleiche gilt für daS sogenannte „Verwaltungsjudentum". Der Fall, daß Leute ohne jedes religiös-jüdische Interesse sich zur Tätigkeit in jüdischen Gemeinden oder Vereinigungen drängen, dürfte recht selten 'sein, was ich . in dieser Beziehung erlebt habe, bewies vielmehr das Gegenteil. Man mußte wegen der Verwaltungsstellen, namentlich in der Gemeindeverwaltung, oft geradezu betteln gehen, bis sich glücklich Jemand fand, der die Gnade hatte, sie zu übernehmen. Ein Rebermaß von Leuten, die ihren in der Staats- und Kommunalverwaltung nicht gestillten Ehrgeiz in. der jüdischen Gemeindeverwaltung befriedigen wollen, habe ich in den \5 Jahren, in denen ich im öffentlichen jüdischen Leben stehe, noch nicht kennen gelernt. Gewiß macht Verwaltungs- und Vereinstätigkcit allein noch nicht zum Juden im positiven Sinne. Man darf aber umgekehrt ohne Rebertreibung behaupten, daß, wer sich im Gemeindeleben und im jüdischen Vereinsleben betätigt, tatsächlich positiv-religiöse Interessen hat und dies sollte wirklich genügen. In einem Punkte hat Goldmann zweifellos Recht. Zu wünschen ist es, daß möglichst viel Juden sich an dem religiösen Leben beteiligen, daß sie, wie Herr Dr. Toblenz es einmal in einem Vortrage („Liberales Judentum" \9.\4 Nr. 4) ausdrückte, - „religiös interessiert" seien, daß sie insbesondere auch persönlich, in innerem Streben und eifrigem Bemühen sich in ein bestimmtes Verhältnis zu ihrer Religion bringen und ihre Lehren zu kennen, zu verstehen und so auch als positiv-religiöse Juden sich zu betätigen suchen. Es wird eine große und eine edle Aufgabe gerade der Rabbiner und der jüdischen Lehrer sein, darauf hinzuwirken, daß Alle diejenigen, denen dieses positiv-religiöse Moment fehlt oder nur im geringen Maße eigen ist, sich die' nötigen Kenntnisse zum Zwecke einer eigenen Rrteilsbildung aneignen. y wenn dies aber dem Einen und dem Minderen, oder sogar Vielen^-nicht in ausreichendem Maße gelingt, so äst es kein Grund, diese „relative Indens als Juden minderen Grades zu' behandeln Und darin, daß sie evtl, aus der Gemeinschaft ausschei-

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