Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Ar. Rudolf Griger -Frankfurt a. W.: Relatives Judentum (Entgegnung) freilich fetzt oft gefälschten Sinne: ein frommer Jude." wir sehen hier also zwischen Goldmann und Freudenthal einen krassen widerspruch. Die Juden, die ihr Judentum treu bekennen und seinen Interessen» sich mit Anteilnahme zuwenden, sind nach der Ansicht Freudenthals gute Juden, während sie von Goldinann mit einer Gandbewegung abgetan werden und ihnen vorgeworfen wird, daß sie zu Unrecht „mit Ginphase" diese Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen. . Es ist immer unrichtig und verhängnisvoll, ein Prinzip auf die Spitze zu treiben. Eine gedeihliche Entwicklung des Judentums, auch des liberalen Judentums, ist unmöglich und undenkbar, ohne daß Leute mit staunenswerter Opferwilligkeit und Eingabe den von Goldmann bezeichneten Aufgaben ihre Kraft und Arbeitstätigkeit widmen, bner nachzuspüren,^ ob diese für das Judentum uneigennützig Und erfolgreich arbeitenden Alaun er und Frauen auch „positiv-religiös" im Sinne Goldmanns sind, wäre einmal überaus unklug: denn dies würde ihnen allen diese Arbeitsfreudigkeit verleiden, sie erbittern, sie schließlich aus unserer 'Gemeinschaft Hinaustreiben und so dem Judentum für wichtige Arbeite,: seine besten Kräfte rauben; außerdem aber wäre ein solches Verfahren auch so illiberal und so intolerant wie möglich. Es ist doch nun einrnal nicht zu leugnen, daß Religion, namentlich in positiver Erkenntnis und Betätigung, sich nicht gewaltsau, aufdrängen läßt, sondern in erster Linie Sache persönlichen Empfindens ist. Der Eine hat Mehr, der Andere hat weniger religiöses Bedürfnis und hierauf'muß Jeder, der im Leben deiner Religionsgemeinschaft mitarbeitet, vor Allen, auch der Rabbiner, aus Gründen der Toleranz Rücksicht nehmen. And nun noch eine praktische Frage, wenn wir den . großen Goldmannsichen j,Reinigungsprozeß", vornehmen, wo glaubt der Herr Verfasser dann noch Gemeinden zusannnenbringen zu können, vor denen er und seine Kollegen has Wort Gottes verkünden können? Man täusche sich doch nicht über die wahre Sachlage — dies gilt für föcts liberale Judentum so gut, wie für das orthodoxe und für das Judentum so gut, wie für das Thristentum —: Die Leute, die aus tiefsten, inn er en religiösen Bedürfnis heraus und auf Grund selbst erworbener innerlicher Ueberzeugung sich zu einer — im. Sinne Goldmanns — positiv-religiösen Weltanschauung bekennen und die nach seiner 2hif sicht also allein geeignet sein sollen, im. jüdischen Leben eine Rolle zu spielen, sind — wie auch bei den christlichen Konfessionen — nicht übermäßig zahlreich. Es liegt dies in den heutigen Zeitverhältnissen, was jener Artikel ja auch selbst zugiebt. Die Religion ist heutzutage nicht nur keine „absolute Macht" mehr, sondern sie ist auch in den, Leben des Einzelnen in den allermeisten Fällen an zweite und dritte Stelle getreten. .Daraus folgt nun aber noch nicht, daß Derjenige, der sich zur jüdischen Religion bekennt, aber auf das positiv-religiöse Moment nicht das alleinige oder ausschlaggebende Gewicht legt, nun nicht als „guter Jude" angesprochen werden dürfe. Run verkennt Goldman,, in den einzelnen Punkten aber auch die Sachlage insofern, als er bei diesen ganzen Ausführungen offenbar Ursache und Wirkung verwechselt. Das „pietäts-Iudentum" und „Hozial-Iudentum" sind doch nicht Formen, die die betreffenden, unter diese Kategorie fallenden Glaubensgenossen sich als Bekenntnis gewählt haben, sondern umgekehrt folgt aus dem Wesen des Judentums und seiner Lehre die Beobachtung starker pietät und Verständnis für soziale Bedürfnisse und Pflichten. Es ist also gerade ein Ausfluß des Goldmannsichen positiven Judentums, daß diese Leute sich auf solchen