Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Rndslf Geiger - Frankfurt a. M.: Relatives Judentum (Entgegnung) 5 urit.wohlkliugenden Namen zu verbrämen. Nicht weil Deutschtum und nicht weil Judentum es verdienen, werden sie gehaßt,, sondern weil sie gehaßt werden, müssen sie es verdienen. Die Verleumdungen gegen das Judentum, wie sie in jedem Geschlecht in and er ein Gewände auftreten, sind nichts anderes als das Modegewand, mit dem sich die Nacktheit des Lasses drapiert, um salonfähig zu erscheinen, wenn Juden und Deutsche Gugel vom Limmel wären, der Lsaß wäre auch dann nicht verlegen um Gründe und Rechtfertigungen. Darum nützt es auch nichts, Haß und Vorurteil überzeugenzu wollen, Haß ist taub und hört nicht auf Gründe. Vorurteil ist blind und sieht nicht, was es nicht sehen will. So muß man Laß und Vorurteil der Menschen hinnehmen wie -Negenschauer, wie Herbstnebel und Giswind und muß sich mit Unempfindlichkeit gegen sie wappnen, mit Selbstachtung, .mit Neinheit des Gewissens. Um unser N echt, wo es uns vorenthalten wird, wollen wir kämpfen; für unsere staatsbürgerliche Stellung, wo sie angetastet wird, wollen wir eintreten mit aller Furchtlosigkeit und Kraft; für unsre Ehre, wo sie in den Staub getreten wird, wollen wir tapfer fechten. Aber das haben wir, bei Gott, nicht nötig, auf ein Zeugnis über die sittliche Würdigkeit des 'Judentums und deb Sudenheit zu warten. Sn uns 'kragen wir das Bewußtsein unseres Wertes, der keiner Bescheinigung bedarf. Nicht daß wir so selbstgerecht wären und uns alle rem dünkten in unseren Augen.. Wenn wir vor unsren Gott hintreten im Gotteshaus oder im stillen Kämmerlein, da tun wirs in demütiger Bußstimmung irn .Bewußt sein, zurückgeblieben zu sein hinter unserem Ideal. Aber vor die Menschen, wer sie auch seien, wollen wir furchtlos treten, gls Juden und als Deutsche mit dem tapferen Worte: Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt! Kelative5 Juäentum. Eine Entgegnung von Vr. Rudolf Geiger in frankfurt a. III. ITrtter obigem Titel hat fjerr Dr. Felix Goldmann in Nr. H und \2 dieser Zeitschrift einen Artikel veröffentlicht, der, von gewiß idealen Gedanken getragen, viel Nichtiges und für die liberalen Juden Beherzigenswertes enthält, den ich aber doch in einer Neihe wesentlicher Punkte nicht unwidersprochen lassen möchte. Goldmann will auch für die Zeit nach dem Kriege den friedlichen Zustand zwischen den verschiedenen Nichtungen im Judentum erhalten sehen und mindestens bei unvermeidlichem Streite alles Gehässige und Zerklüftende vermieden wissen. 2lls Mittel zur Schaffung und Erhaltung des von Goldmann angestrebten Friedens zwischen den verschiedenen religiösen?Nichtungen im Judentum, prägt er, gewissermaßen als ein von allen Juden zu erstrebendes Ziel, den Begriff „positives Indern tum" in ganz anderer Bedeutung, als man ihn bisher zu hören gewohnt war: „positiv", nicht im Gegensatz zu. liberal oder zionistisch, „positiv" nicht als gleichbedeutend mit „gesetzestreu" und daher auch nicht mit der Bedeutung, daß gewisse Vorschriften und Formen beobachtet werden müßten, um emo bestimmte Anschauung von Judentum als die allein richtige erscheinen zu lassen, sondern „positiv" als Bezeichnung des wirklich religiösen Kerns jüdischer Empfindung oder jüdischer Bestrebungen im Gegensatz zu nicht