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Liberales Judentum · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. Seite 4

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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■.. - - : " ,, . "" ' . 1 , ■■!. .... . v 4 Ar. Caesar Seligmann-Frankfart a. M.: Aeutschtuw und Judentum / heit undRngebrochenheit willen, mit..männlicher Tapferkeit wehren. Ist das ein Zustand, daß das ganze Judentum sich als ewigen Angeklagten vor die Schranken des Gerichtshofs cP Menschen geladen betrachten soll? Ist das ein erträgliches Leben, daß; wir uns alle sollen verantwortlich fühlen müssen bei irgend einer Schlechtigkeit, die ein Jude begeht, als wenn ivir selbst, als wenn das Judentum etwas verbrochen hätten? Ist das zu ertragen, daß das Judentum belangt wird bei jeder Minderwertigkeit eines Juden, die das Judentum so wenig angeht wie die Minderwertigkeit eines Christen das Christentum? Möge man die Bösewichter als Bösewichter brandmarken, möge man in satter Selbstgerechtigkeit sich berufen fühlen, den Richter gegen alle sittlichen und sozialen Schäden zu spielen und alle schlimmen Auswüchse des Kriegs und des Friedens zu 'geißeln — das Judentum muß uns turmhoch erhaben stehen über aller Flut der Verleumdung, an das Judentum sollten uns die wogen des Hasses nicht reichen dürfen. wie wir satt sind, jeden: Mordbuben zu versichern, daß wir. keine Mörder von Religionswegen sind, so sind wir satt, das Judentum gegen all die Gehässigkeit zu verteidigen, die Dummheit und Bosheit nicht müde werden, immer neu zu erfinden. Haben sich Etliche unter uns im Kriege wie im Frieden vergangen, wars etwa darum, weil sie Juden sind, oder ob schon sie Juden sind? Mas in aller Welt hat das Judentum mit der Minderwertigkeit der Minderwertigen zu tun? Ist's etwa unsere Religion, die sie zu -Niederträchtigen macht? Die ihnen den Freibrief zu jeder Sünde ausstellt oder die Vollmacht gibt, böse zu sein? Das Judentum, das als Religion Bringer und Träger der sittlichen Kultur, der Gerechtigkeit und Liebe auf Erden ist? Oder ist es etwa unsere Abstammung, die. uns zu Sündern macht? Unser Stamm, aus dem nicht nur die Psalmisten und Propheten sondern auch der Heiland des Christentums und Maria, Petrus und Paulus hervorgegangen sind?, Hasset die Missetat, hasset die Niedertracht, hasset die Sünde, hasset das Böse, hasset alles, was hassenswert und verächtlich ist und brandmarket es, wo ihr es an einen Menschen unter jedwedem Volke und in jedweder Religion wahrnehmet. Aber verkehret nicht Tag in Nacht, Licht in Finsternis! Lästert den reinen Ouell nicht, diaß er schuld an dem schlüpfrigen Unrat trage, der dem Bach aus tausend unreinen Kanälen zugeflossen! Bürdet der Religion nicht auf, was gegen der -Religion Gebot geschieht! Teilt die Menschen ureinethalben — wenn anders solche Teilung nicht Wahnsinn ist — ein in schwarze und weiße Schafe, aber, rühmt euch nicht, daß alle Christen von Natur, von Abstammung, von Religions wegen weiß und alle Juden schwarz seien. Haben wir's, als Deutsche, in diesem Weltkrieg nicht an eigenem Leib und eigner Seele erfahren, wie erbärmlich, wie verdammenswert, wie voll Lug und Trug solche verallgemeinernde Scheidungen sind? De Völker der Erde ringsum teilen die Welt ja -auch in zwei Teile ein, in Deutsche und Nichtdeutsche. Die Deutschen sind die Barbaren, die Hunnen, die Brandstifter, die Kindermörder, die Brunnenvergifter, die Kirchenschänder, die Teufel, von denen alles Böse der Welt kommt. Die Nichtdeutschen, einschließlich der Russen, Japaner, Gurkhas, Senegalneger — die Rasse macht auf einmal gar nichts mehr aus — sind die Engel vom Himmel, fromm und gerecht wie die Heiligen der Legenden. Hinweg mit dieser abscheulichen Abschätzung der Menschen nach Wertmessern, die die Sophistik erfunden, um ihre bösen Instinkte

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