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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 137

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 137 (sequence 17)
Language
German
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o o O 0 Ar. Cohn : Charmckafest in FeinLrsLaud 137 Und etwas von der religiösen Kraft und Innigkeit dieser gläubigen Zuversicht lebt auch in dem nationalen Zukunfts- Glauben, der das stille Heldentum unserer Mütter im gegenwärtigen Kriege stützt und trägt. Sie sind durchdrungen von der Daseinsberechtigung und der Daseinsnotwendigkeit des deutschen Volkes, und sie sagen sich: es muß sein für die kommenden Geschlechter, damit die Rinder und Lnkel unangefochten auf der heimatlichen Scholle leben und deutsches Wesen und deutsche 2trt ungehemmt entfalten können, damit eine wirtschaftlich starke und freie Nation sich im Wettbewerb der Völker behauptet und nicht die Mhnmacht eines zerstückelten Vaterlandes tausenden den Wanderstab in die Hand drückt, weil die fjeimcit sie nicht mehr ernähren kann. Das kommt nicht jeder einzelnen Mutter so klar zum Bewußtsein, aber unbewußt ist es der feste Untergrund, auf bem ihr ganzes Denken sich aufbaut. Unsere Mütter glauben an ihr Volk und an ihr Vaterland, und aus diesem Glauben wächst ihre Größe. Vaterland ist für sie kein toter Begriff, kein inhaltloses Wort, sondern lebendiger Zukunstsglaube voll Tiefe und Kraft. Dann offenbart sich der Reichtum des Mutterherzens: es erweitert de« Glauben an die Seele des eigenen Kindes zum weltbezwingenden Glauben an die Seele des ganzen Volkes. Lin solcher Glaube schasst Helden mütter, denn er macht opferfähig im Dienste der Idee. Chcinuckafeft in feindesland. Von Dr. Willy Cohn (im?elde). uch dieses Fest heißt es nun zum zweiten Male in Feindesland begehen, wie rasch doch die Zeit vergangen ist, läßt man nun rückschauend den Blick schweifen! Und eine wundersame Stimmung befällt uns, wenn wir uns in den Zauber jenes Festes hinein-, träumen. Linen Augenblick denken wir an die Zeiten zurück, in denen wir friedlich im Heimatsort die Feier begingen und im.Gotteshaus das alte, ewig junge Lied des „Schirm und Schütz in Nacht und Graus" sangen! Das ist nun vorüber! Wirklich? Nein, schöner ist die Feier wieder auferstanden hier im Kriege, vielleicht nicht nach außen, aber im Innern jedes Linzelnen von uns. Ist es nicht eine wundersame Erfüllung, daß es uns vergönnt ist, nun selbst im feldgrauen Ehrenkleid vor dem Feind zu stehen und mit dem Bewußtsein unserer Pflicht zu tun: Deutsche Juden dürfen zeigen, daß der Geist Juda 2Uakkabis noch in ihnen steckt? Nur wenige in den' längst vergangenen ^agen des Friedens hatten sich das träumen lassen. Der Krieg ist der Vater aller Dinge, sagt ein alter Weiser, und mit dem unsagbaren Leid, das er bringt, bringt er aber auch eine seelische Wiedergeburt, schafft Tatmenschen. So lange es gesunde Jungen geben wird, werden sie gern von Kriegstaten erzählen hören! Als wir in die Schule gingen, hörten wir niemals so schön Ln der Religionsstunde zu, als wenn uns von den Daten jenes Makkabäergeschlechtes erzählt wurde. Und da wir nun Männer sind, leuchten sie uns als Beispiel voran. Unserer jetzigen Zeit gelten Worte wenig, Taten alles. Drum heißt es sich kurz fassen. Aber doch läuft das Herz, der Mund über von all' dem, was uns gerade an diese?« Feste bewegt.

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