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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 135

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 135 (sequence 15)
Language
German
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Ar. Machsner: Zur Frage des Jugendgattesdrenstes 135 der Erwachsenen interessieren, auf ihren IVunsch gern in die Synagoge nritnimnrt, ihnen alles erklärt, rr^as sie' wissen möchten und sie daselbst verweilen läßt, solange es ihnen Freude macht. Aber auch für die reifere fugend müssen wir auf Grund der angeführten psychologischen Erwägungen den Grundsatz weitgehendster Freiheit in der religiösen Betätigung geltend machen, besonders, da ja aus dem Jüngling alsbald ein Mann werden soll, der religiöse Freiheit als eins seiner heiligsten Rechte betrachten muß. Als Selbstzweck kann der Gottesdienst irn Lntwicklungsalter nicht auftreten, wohl aber als dienendes Glied den Religionsunterricht wirksam ergänzen. Daher besuche der Religionslehrer im Rahmen seines Unterrichtes (vergl. meine Ausführungen „Zur Verbesserung des jüdischen Religionsunterrichtes" in Jahrgang 5, Nr. 6/7 und Jahrgang 6, Nr. 3 und 5 dieser Zeitschrift) mit seiner Klasse die verschiedenen Gottesdienste der Gemeinde und mache das dort Gesehene und Gehörte in den nächsten Unterrichtssttmden wieder zum Gegenstand eingehender Besprechung nach der sprachlichen und vor allen Dingen geschichtlichen Seite hin. Nichts darf unverstanden bleiben, da gerade diese Altersstufe dazu neigt, unverstandene Dinge ohne weiteres wegwerfend zu beurteilen. Durch Klarheit zur Wahrheit! Durch Einblick in den Werdegang unseres Gottesdienstes zur Erkenntnis seines Wertes durchzudringen, das ist eine hohe Ausgabe, die den Heranwachsenden Menschen reizt, ja begeistern kann. Allmählich wird er dann auch persönlich dem Gottesdienst immer näher kommen und, wenn er erst erwachsen ist, wjrd er nicht gleichgiltig am Gotteshaus vorübergehen. Natürlich wird dieser Klarheit die Einsicht folgen, daß uns der Gottesdienst nur dann erbauen kann, wenn er sich den Forderungen der Gegenwart inrmer mehr anpaßt. So wird die religiöse Unterweisung in dem angedeuteten Sinne zur Quelle religiösen Fortschrittes des Einzelmenschen, wie auch der Gesamtheit. Nie aber wollen wir vergessen, daß die gottesdienstliche Betätigung nur ein kleines Gebiet der Religion darstellt und daß sie wertlos ist, wenn sie nicht in ttefem religiösen Empfinden begründet ist. Das aber ist eine zarte Pflanze, die schon im jungen Kinde ihre wurzeln schlägt und die stirbt, sobald der Er wachsene sie unvorsichtig berührt um sie nach seinen, ihr unnatürlichen Gesetzen zu ziehen. Yen lllüttern. Von Rabbiner vr. (ob!en2-6ie!efe!ct. Sieh, von all dyn Liedern nicht eines gilt dir, o Mutter! Dich zu preisen, o glaub's, bin ich zu arm und zu reich. Ein noch ungesungeneS Lied ruhst du mir im Busen Keinem vernehmbar sonst, mich nur zu trösten bestimmt Wenn sich das Herz unmutig der Welt abwendet und einsam Leines himmlischen Teils bleibenden Frieden bedenkt. Eduard Mörike. 3ch glaube, das innerste wesen des Mutterherzens ist mit zwei Worten gezeichnet: opfernde Liebe. So stark und so fest ist sie mit dem Mutterherzen verwachsen, daß beide eins geworden sind. Sie gibt ihm seine weihe; sie verleiht ihm Tiefe und Kraft, wir alle, die wir das Glück einer reichen, schenkenden Mutterliebe an uns selbst erfahren haben, tragen die Erinnerung an sie als heiligstes Gut durchs ganze Leben. Soweit wir zurückdenken können, ist sie immer der Sonnenschein gewesen, der erquickend und wärmend in unser Lserz hineinfiel. Und darin liegt ihre Größe: Mutterliebe ist selbst-

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