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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 134

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
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Ar. Machsner: Zur Frage des Jugendgottesdienstes o o o o •4 joi^cnbgottcsbienft als Oersuch am untaug-! sichen Objekt von vornherein überflüssig. Das Gebet des Rindes steht dem der Erwachsenen an Innigkeit nie nach, es hat sogar vor diesem etwas voraus: die absolute Ehrlichkeit. Das Rind äußert seine wünsche schlicht und kurz in der Sprache, die ihm Gott anerschaffen, es ist von der Rraft seines Gebetes tief durchdrungen, selbst wenn es noch keine eigenen Worte findet. Das wird aber mit einem Schlage anders, sowie die klugen Erwachsenen kimnmen und das Rind „beten lehren". Das religiöse Empfinden des Rindes ist zu unnüttelbar, ein Jugendgottesdienst mit den wenn auch gekürzten hebräischen Gebeten der Erwachsenen wirkt auf sein unverdorbenes Gemüt im günstigsten Fall als eine Art mystischer Zauberei. Nichts ist geeigneter, das religiöse Empfinden des Rindes gründlich zu zerstören und ihm das Beten für alle Zeiten 3» verleiden, nichts entfremdet ein Rind so bald dem Geist der Religion, als das unverstandene, seiner Gemütsverfassung nicht entsprechende, also heuchlerische Gebet, das sich nach Form und Inhalt an den Gottesdienst der Erwachsenen anschließt. Nun aber zu den älteren, die da nicht beten wollen. Sehr richtig sagt der Verfasser von ihnen, niemand könne sie dazu zwingen. Und doch hindert .ihn diese Einsicht nicht, selber den versuch dazu zu machen. Ich meine, der oberste Grundsatz jeder Religion, und ganz besonders des Judentums ist doch der, daß man 'aus seinem Kerzen keine Mördergrube machen darf, wenn ein vierzehnjähriger Bengel nicht beten will, wenn er nicht das geringste Bedürfnis dazu empfindet, so wäre es unreligiös und dazu zwecklos, ja zweckwidrig, auf äußere Mittel zu sinnen, die ihm den Besuch des Gottesdienstes schmackhafter, machen. Die Natur hilft sich selbst, und nach ewigen unangenehmen Jahren sinden sich die räudigen Schäflein schon zu ihrem Gott zurück — vorausgesetzt natürlich, daß ihnen nicht schon im Rindesalter jedwede religiöse Betätigung durch 'Zwang künstlich lächerlich gemacht wurde. Ich wenigstens mache seit Jahren immer wieder die Beobachtung, daß gerade die meiner Schüler, die von früher Jugend atz zur Innehaltung der religiösen Formen der Erwachsenen angehalten wurden, religiös (leider vielfach auch moralisch) minderwerttg werden, wohingegen sich bei denen, die sich als Rinder ihrem Gotte hingeben durften, wann, wo und wie es ihnen ^Bedürfnis war, ein reges religiöses Interesse ausbildet, w!as seinen Höhepunkt nicht Zuletzt darin findet, daß sie als erwachsene Juden bei jeder Gelegenheit gegen die Veräußerlichung unserer religiösen Betätigung eintreten. Man muß eben doch das Seelenleben des Rindes und Heranwachsenden Menschen möglichst weit berücksichtigen, wenn man sich damit beschäftigt, die Wege zu ermitteln, die die praktisch-religiöse Erziehung zu beschreiten hat. Unter dieser Voraussetzung kommt man dahin, daß nian einen Jugendgottesdienst für die Rinder bis etwa zum 12. Lebensjahr überhaupt ablehnt. Die religiöse Erziehung auch junger Rinder ist zwar in hohem Maße von dem Beispiel der Erwachsenen abhängig, allein das gemeinsame Gebet liegt der Rindesnatur garnicht. Das Rind kann nur unter vier Augen mit seinem Gott verkehren, eine fromme Scheu verschließt seine Lippen in Gegenwart anderer. Darum hüte man sich, seiner natürlichen religiösen Betätigung entgegenzuarbeiten. Der Wert des freien deutschen Gebetes in kindlicher Sprache ist dürch nichts zu ersetzen, jede besondere gottesdienstliche Maßnahme ist ihm gegenüber ein minderwertiges Surrogat. Das schließt indessen nicht aus, daß man Rinder, wenn sie sich wirklich für den Gottesdienst

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