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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 133

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 133 (sequence 13)
Language
German
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Dr. Goldmann: Relatives Judentum 1S3 den. das Mort ein leeres Nichts ist, geschieht, l ist. alles gewonnen, und das möge der Erfolg I dieses Krieges sein, der in so hohem Maße schlummerndes religiöses Gefühl erweckt und religiöses Denken gefördert hat. Das relative Judentum kann nur schwinden, wenn ihm seine Grundlage entzogen wird. Es baut sich auf dem Haß der Welt, auf der Zudennot auf, und leider wird darum für unabsehbare Zeit sein Bestand gesichert sein. Darum darf man aber doch nicht, wie es. nationale und viele orthodoxe Rreise tun, den Antisemitismus entweder für ein Fatum, einen.Teil der Weltordnung, den Menschenkraft nicht ausmerzen kann, oder für einen nicht unwillkommenen Bundesgenossen ansehen, ohne den alles auseinanderfallen würde. Es wäre nicht nur unwürdig, sondern auch ein Zeichen von innerer Fäulnis, wenn das Judentum zu seiner Erhaltung dieses Mittels und des daraus entspringenden jüdischen Eifers bedürfte. Einem Judentum, das sich mir so und nicht aus eigener positiver Rraft erhalten kann, brauchte man keine Träne nachzuweinen, wenn es aus der Welt verschwände. Und einer solcher: Begriffsver wirrung energisch entgegenzutreten, ist nicht nur der erste und wichtigste Schritt auf deK Wege zu positiven: Judentum, sondern auch eine dringende Aufgabe des Liberalismus. Noch nie ist der Liberalismus dem Beispiele anderer Parteien gefolgt, noch nie hat er sich für alleinseligmachend ausgegeben, noch nie verkündet, daß nur das Bekenntnis zu ihm wahres Judentum bedeute. Und hat er schon in Friedenszeiten seinen freien Bück und seine Großzügigkeit bewiesen, so ist es in den Tagen, die wir durchleben, erst recht der Fall gewesen. Wertvoll und wahrhaft groß wird aber diese Friedensliebe sein, wenn sie sich nicht wie bisher allein auf die Vornehmheit der Gesinnung, auf die Nachgiebigkeit des Starken und auf taktvolle Rücksichtnahme gründet, sondern auf nachdrückliche Betonung des einigenden, positiven religiösen Gedankens. Und in dem Mäße wird der Liberalismus fortschreiten und siegen, wie es ihn: gelingt das relative Judentum — innerhalb und außerhalb seiner Reihen — zun: Schwinden zu bringen. Zur frage des üugendgottesdienftes. von Dr. phil. f. Wachsner-Bcrlin. ie Zuli-Augustrmmmer dieser Zeitschrift brachte einen Artikel des Herrn Dr. Gelles, Lissa über den Zugendgottesdienst. Auf Grund der Tatsache, daß die Rinder immer 7mr den Minchagottesdienst des Sabbats kennen lernen und sich nicht gehörig beteiligen, kommt Verfasser zu den: Schluß, der .Zugendgottesdienst habe sich in seiner bisher üblichen Form nicht bewährt. Abhilfe fei. dadurch zu schaffen, daß man den Rindern Gelegenheit biete, jede Woche einen anderen Gottesdienst zu besuchen, sodaß sie im Laufe des Monats auch den Abend- und Morgengottesdienft kennen lernen. Zch möchte dem Verfasser darin durchaus beipflichten, daß sich auch nach meinen Beobachtungen der Zugendgottesdienst nicht bewährt, glaube aber die Gründe dam doch etwas ttefer suchen zu müssen. Anknüpfen möchte ich dabei an eine Be merkung des Verfassers: „Die Rinder beten nicht. Die 6-, 7- und 8jährigen können noch nicht beten, und die älteren wollen nicht so recht", heißt es in seinem Artikel. Zu. diesem Satze stehen die Erfahrungen des mit seinen Schülern einigermaßen vertrauten Lehrers aber auch die jeder Mutter in striktem Widerspruch. Anderenfalls wäre ja der ganze

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