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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 132

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 Ar. Goldmann: Relatives Judentum tum, nur auf sich selbst und seine innere Kraft gestellt, unendlich viel gewinnen. Trotz der Schärfe der Gegensätze ist nun der weg zum Frieden nicht gar so steil. Denn dieses relative Judentum mag zwar kraftvoll und stark erscheinen, es ist aber im Grunde recht schwach; weder führt es im Durchschnitt zu einschneidenden praktischen Konsequenzen, noch sitzt es sonderlich tief in den Seelen, so sehr es sich auch in Wort und Schrift, in „Gesinnungstüchtigkeit" und Verketzerung des Gegners aufspielt. Für einen beträchtlichen Bruchteil unserer künftigen geistigen Führer, unsere jungen Akademiker, steht es nun einmal fest, daß die Frage, ob das Bekenntnis zum Judentum nationale oder liberale Gestalt annimmt, einfach von der studentischen Verbindung .abhängt, die sie „keilt" und gewinnt. Und da dem so ist, ist die Fortdauer der Versöhnungsära kein so ganz unerreichbares Ziel. Die Gegensätze sind gar nicht so schlimm. Die Zionisten sind — und dieser Krieg hat es gewiß bewiesen und alle Sorgen verscheucht — gut deutschnational, trotz Schekelzahlen und Lsedadrufen. Und bei nur zu vielen, die sich „liberal" nennen, reicht die Hingabe an das religiöse Ideal nicht weit, oft nicht einmal zum Besuche des Gotteshauses, geschweige denn zu religiösem Denken und zur Erweckung des religiösen Empfindens. Sie stehen sich wirklich sehr nahe, diese relativen Juden alle, zum allermindesten in der Negation, denn Hedad rufen, Schekelzahlen und Gelbaumpflanzen — Dinge, gegen deren Nützlichkeit an sich nichts gesagt sein soll — haben ebensowenig etwas mit dem Wesen des Judentums zu tun wie die Abgabe eines liberalen Zettels bei der Nepräsentantenwahl oder die Einreichung einer entrüsteten antisemitischen Beschwerde. ' Nun darf freilich nicht übersehen werden, Läü in vielen Einzelfällen das Nelative oft zum positiven führt. Etwas tiefer denkende Menschen, deren geistige Nahrung nicht allein aus dem Schlagwort der Volksversammlung und dem Leitartikel der pärteizeitung besteht^ werden gewiß früher oder später das Phrasen tum durchschauen, hinter dem sich die innerliche Unsicherheit des relativen Judentums jeder Schattierung verbirgt. Sie werden die positiven werte unserer Gemeinschaft erkennen und sich ihnen zuwenden. Damit zeigt sich klar der weg, der beschritten werden muß, wenn die Erkenntnis der Kriegszeit nutzbar gemacht werden soll für den Frieden in der Iudenheit. Die wirklich positiven, die religiösen Elemente allein können den Ausgleich schaffen, wenn sie nicht abseits stehen und das Feld anderen überlassen, sondern wenn sie um die Führung kämpfen und Einfluß in ihren Sonderkreisen gewinnen. Um sie alle schlingt sich ja, so verschieden ihre Parteibezeichnung auch lau ten mag, ein unsichtbares aber dennoch starkes Band der Einheit, und würden sie ihre Richtungen beherrschen und leiten, so wäre alles erreicht, was man billigerweise - ohne Utopien nachzujagen — erwarten kann, würde allen Führern das eine gemeinsam sein, daß sie wirklich positive, religiöse Juden wären, so würde auch fast von selber für das Aufhören persönlicher Gehässigkeit und über flüssiger Kraftvergeudung um lächerlicher Kleinigkeiten willen gesorgt sein; das Schamgefühl vor der Welt, der Sinn für die würde des Judentums müßten dann eine ge waltige Stärkung erfahren, und die Höhe erreichen, die wir jetzt leider nur zu oft vermissen. Es liegt eben im Wesen d e r Herrschaft wahr er. Religion, daß sie den Frieden mit sich bringen muß! Die verschiedenen Richtungen im Iu dentum mögen auch später ihre Meinungen verfechten und für ihre Auffassungen Anhän ger zu gewinnen suchen, wenn dies aber stets im Gedanken an den Oberbegriff des positiven, religiösen Judentums, ohne

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