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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 130

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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180 Ar. Gsldmann: Relatives Judentum o Q o o derem als Aeußerlichkeiten oder auf politischen Momenten aufbauen. Wer nimmt nicht alles .emphatisch die Bezeichnung eines „guten Juden" für sich in Anspruch! Es gibt ein gewisses pietätsjudentum, das seine Kraft abergläubischen Vorstellungen entnimmt. Das Trotzjudentum verdankt seine Entstehung dem übermächtigen Antisemitismus. Line andere Richtung kann man „Verwaltungsjud ent um nennen, das besonders dort blüht, worauf den allgenieinen Gebieten des Staats und der Kommunen sich nicht genügend Spielraum für den Betätigungsdrang und den Ehrgeiz der intellektuellen jüdischen Kreise findet, wo sie infolgedessen.— gewiß mit großem Eifer und vortrefflichem Erfolge — sich der Verwaltung jüdischer Gemeinden und Vereinigungen zuwenden. Jeder von allen diesen Menschen mag noch so tüchtig und achtbar, seine Arbeit nützlich und schätzenswert fein; es soll auch nicht übersehen werden, daß auf diesem Wege Männer den Weg in ihre Gemeinschaft gefunden haben, die heute eine Zierde des religiösen Judentums bilden. Aber zu Juden im positiven Sinne macht die Verwaltungs- und Vereinstätigkeit allein noch lange nicht! Auch innerhalb der wirklich religiösen und darum positiven Richtungen des Judentums blüht übrigens das relative Judentum in üppiger Fracht. Wo wären der Eifer und die Begeisterung so manches Orthodoxen und Konservativen, wenn es nicht eine liberale Welt gäbe, von der man sich unterscheiden, die man also bekämpfen muß. Und das Judentum vieler Liberaler ist nichts weiter als der Gegensatz zu Orthodoxie und Zionismus. Man lösche einmal hüben wie drüben all das „Feuer jüdischer Begeisterung", das mcht innerlich in den Seelen aufgelodert ist, sondern sich durch Reibung mit den: Gegner und dessen Anschauungen entzündet hat, und man wird staunend sehen, wie sehr selbst in den religiösen Parteien das jüdische Leben getragen wird von nur relativem Judentum. Es find vorhin nur die großen Abteilungen dieser Erscheinung berührt worden, nur jene, die als geschlossene Massen gleicher Anschauung im öffentlichen Leben unterschieden werden können. Natürlich gibt es noch Hunderte von anderen Theorien über das Wesen des Judentums, die das Seelenleben, die Interessen und Liebhabereien ihrer Träger getreulich wiederspiegeln. Es ist nach dieser Richtung hin sehr interessant, moderne jüdische Zeitschriften und jungjüdische Bücher zu lesen, zu beobachten, wie meist recht jugendliche Menschen sich quälen, um Zerrbilder vom Judentum zu entwerfen, die alles enthalten, was Zeit und Mode als wertvoll preisen, nur nichts vom Geiste des positiven Judentums. Und da gewöhnlich die Sicherheit der vorgetragenen Lehrmeinungen im umgekehrten Verhältnis zu dem Wissen und der Erfahrung ihrer Vertreter steht, sind die Keime zu Streitigkeiten schon unter den annähernd gleichen Richtungen vorhanden. Man denke an die verschiedenen Phasen des Kampfes zwischen dem „Alljudentum" und dem Nationaljudentum! Und daß von der Seite dieser subjektiven Ligenbrödler her die heftigsten Angriffe gegen das wirklich religiöse Judentum geführt werden, besonders wenn es in liberaler Gestalt auftritt, war vor dem Kriege eine so selbstverständliche Erscheinung, daß inan sich garnicht mehr darüber erregte. Subjektivismus in der jüdischen Religion ist nun ganz gewiß keine neue Erscheinung, er tritt nur zeitweise stärker hervor. So bietet, um ein Beispiel herauszugreifen, die Religionsphilosophie — so sehr man auch die Fülle des durch sie hervorgerufenen Denkens schätzen muß — als Ganzes genommen genau dasselbe Bild. Stellte doch auch sie, mit Ausnahme ganz weniger Männer und Schriften, nichts dar wie den fortgesetzten

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