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Liberales Judentum · 1915-11-01 · Heft 11-12 (November 1915) · p. Seite 127

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 11-12 (November 1915)
Date
1915-11-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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o o Ar. Goldman«: Relatives Judentum 127 sie doch vor allem nach dem Maße ihrer täglichen Arbeit, Erfahrung und Bildung berufen find. Wenn einmal solche Wandlungen sich vollziehen, so ist daraus kein Schade für die Gesamtheit zu befürchten, sondern ein erhöhter Mut und Wille und reichere Betätigungsfreude aller Beteiligten. Der Krieg hat gezeigt, daß gar manche Schwierigkeit zu beheben ist, deren Rätsel sich einst verlor im Dunkel langer Beratungen. Zeigen wir, daß wir daraus gelernt haben, weder der Oppositionsgeist kleiner Fraktionen, der zum verneinen beständig sich berufen fühlt, noch die Furcht vor Hierarchie und Herrschsucht dürfen den Weg der Organisation aufhalten.. In ihr können alle Schattierungen des religiösen Lebens sich binden, ohne auf die eigene Geistesrichtung zu verzichten. Der Liberalismus wird jedenfalls die Mitarbeit an dieser Aufgabe um seiner selbst willen nicht aufgeben. Aber selbst eine weitere Zersplitterung der Kräfte im Judentum, wovor uns Gott bewahre, wird ihn nicht zertrümmern und in seinem Wesen nicht beirren, um ihn werden sich die deutschen Juden, als um ihren natürlichen Wortführer, weiter scharen. Es versteht sich, daß zu einer vollen Durchführung unserer Wünsche auch die Anerkennung der Wissenschaft von: Judentum gehören wird, wir haben in den letzten Jahren unter Führung von prof. M. Rade in Marburg Stimmen vernommen, die von Gerechtigkeit und Wohlwollen gegen uns zeugen, hoffen wir, daß auch die höchste Form der Einbürgerung und des Verständnisses unserer Ideale sich uns erschließe, indem die Pforten der Hochschulen der unbefangenen Forschung der jüdischen Wissenschaft sich anftun. Relatives Judentum. üon Dr. felix Goldmann-Oppeln. s wäre eine Schmach für unsere Zeit, wenn die Versöhnung und das Schwinden der schroffen Gegensätze nichts sein sollten wie eine vorübergehende Erscheinung, wenn wirklich, wie man oft behauptet, so mancher das Ende der Kriegszeit sehnlichst erwartet, um dort wieder beginnen zu können, wo er — der Größe der Zeit weichend — aufhören mußte. Es wäre besonders bedauerlich und schimpflich für die Iudenheit, wenn nicht auch bei ihr die Erlebnisse des vergangenen Jahres zum Frieden und zum dauernden Ausgleich eingewirkt hätten, wenn der jetzige friedliche Zustand bei den Parteien nicht fortwirken und erhalten bleiben sollte. Nicht als ob es nicht nach dem Kriege auch Kämpfe geben wird, ja geben soll! Sagt doch des Propheten Wort schon, daß „es für die Böservichter keinen Frieden gebe", und so werden wir uns weiter wehren' müssen gegen Abfall und Abgefallene, gegen Indifferentismus und feine Förderer, überhaupt gegen alle das Judentum zerstörenden Einflüsse. Auch die Gegensätze zwischen orthodox und liberal., zwischen nationaljüdisch und religiösjüdifch werden nicht schwinden, aber auf den Aufwand an Kräften und Zeit, auf die Formen des Streits wird die Zeit eingewirkt haben, sie wird und muß jede überflüssige Kraft- und Zeitvergeudung, persönliche Kampfesweise, unsachliche Behandlung des Gegners, überhaupt alles Gehässige und Zerklüftende beseitigen, und die Einigkeit, die unter den Vertretern aller Sonderrichtungen jetzt besteht, möge das segensreiche Geschenk dieses Krieges fein, der außerhalb unseres Vaterlandes der Iudenheit so unendlich viel Sorge und Elend gebracht hat. Einen gangbaren, praktischen weg zu diesen: Frieden weist ein Schkagwort, das bis-

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