Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Ar. Kehrens: Organisation schastlichen Kämpfen der deutschen Iudeuheit. In alle freiwilligen Verbände — denn etwas anderes besitzen wir nicht — wurde ein starker Parteigeist Hineingelragen. Wir ihetnen nicht, daß er von Ueberfluß wäre. Der streit ist der Vater aller Dinge, ohne seine Vorläufer würden wir nicht ans heiß ersehnte Endziel kommen, das nicht aus dem Auge zu verlieren ist. Was in einem Volk von Millionen möglich ist, sollte das nicht in unserm verhältnismäßig.so kleinen Kreise erreichbar sein? Es ist, tief bedauerlich, daß an soviel unerquicklichen Widerständen der Geist der Einigkeit zerschellte. Dennoch wird man sagen dürfen, daß die Organisation kommen muß. Line jede Fraktion wird eben zu Entgegenkommen sich bequemen müssen-. Mögen die Gemeinden noch so musterhaft verwaltet und geführt werden, das allein genügt auf die Dauer nun und nimmer. Wir bilden doch darüber hinaus eine große Gesamtheit, die eine gemeinsame Vertretung nicht entbehren kann. Die Abwanderung vom Lande, die jeder Eindämmung Trotz zu bieten scheint, legt die religiöse Versorgung und das religiöse Leben dort nahezu lahm. Alle noch so gut gerneinten Bestrebungen leiden daran, daß es bald an Mitteln fehlt bessernd einzugreifen, bald arr der nun einmal notwendigen Macht und Autorität, die ganze Arbeit machen kann. Wir blicken rricht ohne ejn Gefühl des Neides auf die Einrichtungen der süddeutschen Bundesstaaten, die sich durchaus bewährt haben, während die Reste der jüdischen Grganisatiorr in den neuen Provinzen Preußens grau vor Alter geworden find und der modernerr Entwickelung des Lebens und der jüdischen Gemeinden sich nicht anzuschmiegen vermögen. So bleibt die Frage und die Aufgabe, die die Zukunft zu lösen haben wird. Wir werden nach dem Kriege, so vertrauen wir, diesem Gedanken uns erneut zuzuwenden haben, wir werden dann auf manchen zu Tode gehetzten Vorschlag verzichten dürfen. Es mag schwierig sein, für die widerstreitenden Interessen eine gemeinsame Formel zu ftnden, aber es gibt soviel Berührungspunkte auf allen Linien, daß man um ihretwillen nicht die Wieder aufnahme der Arbeit vertagen sollte. Ob die Regierung geneigt sein wird, aus unsere Wünsche einzugehen, vermag niemand zu sagen, aber sie wird sich der Einsicht nicht verschließen, daß ein einheitliches Programm Berücksichtigung, Prüfung und Würdigung verdient, insbesondere, wenn es sich um die vielumstrittenen Fragen des Religionsunterrichts an den öffentlichen schulen, Stellung der Beamten, Wahlhandlungen und Vertretung der preußischen Iudenheit handelt. Durch die von Staatswegen zu ergreifende Behandlung dieser Rechtsmaterien helfen wir volle Gleichberechtigung erstreiten. Darin dürsten alle einer Meinung sein. Es ist sclstechterdings nicht abzusehen, warum gerade das jüdische Religionsbekenntnis auf jede staatliche Unterstützung verzichten soll. Eine grundsätzliche Forderung der Gerechtigkeit ist es durchaus, daß viel mehr als bisher Staat und Kommune nach dein Maße der steuerlichen Leistung der Juden zu dem jüdischen Kultusbudget beitragen. Der Wille dazu scheint vorhanden. Bei aller Anerkennung der hervorragenden Arbeit, die gerade die Gemeinden im Interesse ihrer Beamten geleistet haben, ist vielfach ein wesentlicher Wunsch unberüct sichügt geblieben. Zweifel und Mißverständnisse haben Gegensätze und Zwiespältigkeiten geschaffen, die wahrlich nicht uniiberbrückbar sind. Die Rabbiner haben deir natürlichen, in sich begründeten Wunsch, bei den Beratungen der Gemeindeverwaltungen herangezogen zu werden. Nicht als bloße Gutachter mögen sie gelten, sondern als ratende, tatende Mitarbeiter, wozu