Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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o c o c Ar. Behrens: Organisation 125 nicht so in der Fron wie heute. Religiös gesinnt ist auch heute noch die deutsche Iudenheit; des sind die wenigen Tage Beweis, an denen der Gottesdienst allgemein zahlreich besucht wird. Leider findet aber der religiöse Sinn unsrer Erwachsenen und unsrer Jugend nicht mehr genügende Befriedigung. Ls ist Gefahr, daß er verkümmere oder in Bahnen gelenkt werde, die vom Judentum abseits führen. Mas soll geschehen? Fernerhin ermahnen? Gewiß. Aber es wird nur wenig helfen, wenn nicht noch etwas anderes geschieht, und das ist: Der Sabbath muß auf den Sonntag verlegt werden, auch einige Feiertage müssen verlegt und andere aufgegeben werden. Indem ich diese Forderung erhebe, überhöre ich nicht die Lehren, die die Geschichte der Reformbewegung mir zuruft. Heute fordert die Not der Zeit gebieterisch die vorgeschlagene Aenderung. Auch nicht leichten Herzens mache ich den Vorschlag. Ich höre das Dichterwort: „Laß Lehn das Haus, laß Lehen!" Aber das alte Haus soll ja an einer anderen Stelle wieder aufgebaut und die alten Erinnerungen sollen in den neuen Bau mit hinübergenommen werden. An die liberalen Rabbiner Deutschlands wende ich mich mit der Bitte, die Aenderung vorzubereiten. Ich wende mich an sie als an die Führer der deutschen Juden auf religiösem Gebiete, von denen Man erwarten darf, daß sie den Mut haben, teures, heiliges Vatergut,- das aber nicht mehr Rindeserbe werden kann, aufzugeben, mn uns das Beste, unser Judentum, zu erhalten. Dieses Aufgeben, es soll zugleich ein Geben sein. Ihr liberalen Rabbiner, gebt uns Feiertage! Organisation. Von ätaätrabbmer Dr. Behrens-vCöttingen. r. Naumann spricht einmal davon, daß der Sieg der deutschen Massen der straffen Organisation entspringt, die im Heere, in. der Verwaltung wie in dem großen Netze der Rriegshilfe mustergültig airsgebildet ist. Das deutsche Volk ist dazu in langer Friedensarbeit erzogen worden, und forgfälttg ward die Vorbereitung der Rüstungen gepflegt. Sie verbürgt die Versammlung pnd den sicheren Aufmarsch der Heere, sie bewirkt, daß in vollendeter, bewunderungswürdigen Ruhe die wehrhaften Männer zu den Fahnen eilen, und jede Störung dem höchsten, gewaltigsten Ernst der Nation fern bleibt. Das ist wiederum eins von den Erlebnissen, die sich einem jeden unauslöschlich einprägen. Im Getriebe von Handel und Mandel ist Mrganisatton nicht minder notwendig. Je größer der Anteil der Juden an allen Aeußerungen des Nationalen Lebens ist, uni so mehr gehen sie auf in einer Entwickelung, für die ihr reiches Talent unendlich viel geleistet und geschaffen hat. Merkwürdig genug aber ist es, daß eine der fruchtbarsten Schöpfungen modernen Geistes am wenigsten dort sich fühlbar macht, wo wir seiner am ehesten bedürfen, in der Zusammenfassung unserer religiösen, gemeindlichen Arbeit. Sett einem Menschenalter sind alle Versuche gescheitert, die darauf abzielten, eine Mrganisatton der preußischen Juden zu begründen. Man Mag, einwenden, daß Zeit und Stunde schlecht gewählt seien, diese Frage aufs neue aufzurollen. Mer den Frieden will, muß den Krieg bereiten, sagt der Römer, aber auch die Umkehrung gilt, daß der Krieg die Zukunft des Friedens sichert. Die Jahre, die den .gegenwärtigen Ereignissen Vorangingen, waren erfüllt von leiden-