Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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122 Ar. Norden: Judentum, Meichnachtsfest, Meffiasglnube dem wir beim Herannahen des Weihnachtsfestes uns nicht immer von neuem Rechenschaft ablegten über die Ereignisse, die damals zu einer Spaltung im Schoße des Judentums führten, und über die schwerwiegenden Gründe, die unsere Vorfahren zur Ablehnung der neuen Bewegung veranlaßten. Sn der Schule, im Gotteshaus und in der Presse müssen wir dem Vorwurf, der uns unaufhörlich gemacht wird, mit allem Nachdruck begegnen, als hätten wir aus -Unverstand oder gar aus Eigensinn uns geweigert, eine höhere Stufe der Religion zu erklimmen, und uns dadurch um unsere Daseinsberechtigung gebracht. Sn jenen alten Tagen, deren Gedächtnis das Weihnachtsfest Sahr für Sahr heraufbeschwört, lastete auf Suda ein unerträglicher "Druck: Rom schrieb Suda die Gesetze vor, Eine duinpfe Stimmung lag über dem ganzen Lande. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen, es konnte nur besser werden. Und hatten denn nicht die Propheten Ssraels von einer schöneren Zukunft geträumt? Hatten sie nicht Tage des Glücks verkündet, Tage des Ruhmes, des Friedens, der Freude? © sie mußte bald kommen, hoffte man, die Erfüllung der prophetischen Träume, sie mußte bald kommen, die Erlösung. Und als nun ans den Reihen des Sudentums Sesus vor: Nazareth hervorging, dein kein verständiger Sude unserer Tage seine Ehrerbietung versagen wird, da begnügte sich ein Teil seiner Zeitgenossen nicht damit, in ihm einen Verkünder wahrer, meiner, jüdischreligiöser Gedanken zu erblicken: nein, sie sahen in ihm den meleeb hamoschiach, den königlicheir Gottesgesalbten, von dein die Propheten verkündet, er würde eiilst die Ivelt erlösen von Schrecken und Gewalt, von Not und Uebel, von Sünde und Vergehen, voii Kampf und Streit. Welche Verdienste nuir das Christentum, die Tochter des Sudentums, sich durch Ueberwindung des Heidentums erworben hat, das ist bekannt und bedarf hier keiner weiteren Erörterung. Uns beschäftigt hier nur die eine Frage: Warum haben unsere Vorfahren sich mit aller Leidenschaft dagegen gesträubt, in dein vom Christentum verehrten Manne den Messias, den Erlöser zu erkennen und anzuerkennen? Darauf lautet die einfache, aber bestiminte Antwort: Weil er, nach ihrer festen Ueberzeugung, diejenigen Merkmale nicht besaß, die den Erlöser als solchen sollten erkennen lassen. Und was für Merkmale sollten dies sein? Sn kurzen Worten bemerkt hierüber Maimonides am Schlüsse seines Werkes Mischneh Thorah: „Du m u ß t n i cht glauben, de r m cf (i - anisch e König sei daran zu erkennen, daß er Zeichen und Wunder tut, daß er Naturgesetze aufhebt, daß er Tote zum Leben erweckt und dergleiche rt."2) „E r wird sich vielmehr dadurch kund geben, daß er die Welt zur Besserung und zur Veredelung führt, daß er die ganze Menschcheit dahiu bringt, daß sie eininchtigen Sinnes dem ewigen Gotte dient."H „Wenn der w-a h r e IM effias kommt, d a n n wird es k eine wirtschaftliche Not mehr geben, nicht Neid u n d M i ß g u n st unter den Menschen, nicht Streit und Krieg zwischen den Völkern. Dann wird die Welt aufatmen von allen: Leid und Elend, das auf ihr gelastet, und das Reich! Gottes wird auf Erden gegründet sein."H Und wenn wir nun unsere Welt betrachten, nicht wie wir wünschten, daß sie sei, sondern wie sie in Wirklichkeit ist, wenn wir insbesondere sehen, wie die Völker nach 2) Mischneh Thorah, 4. Teil, Abhandlung „lieber die Könige", Kap. 11, 3. ch daselbst, Kap. t l, 4. ch daselbst, Kap. 12, 5.