Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3126481-3126538-3126545--2014-3128850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liberales Judentum Ulonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums kerauLgegeben von 6er Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion von Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in?rankfurt a. M. No. 11 und 12. Jahrgang 7. Houbr. u. Dezbr. 1915. Judentum, Weihnachtsfeft, ITleTfiasglaube. Von Rabbiner Dr. Rarden-Gberfeld. er Besuch des Gottesdienstes an den Sabbaten läßt in der Mehrzahl unserer Gemeinden manches zu wünschen übrig. So bedauerlich dies ist, so müssen wir doch gerechtermaßen zugeben, daß hier vielfach durchaus kein Ulangel an gutem Millen, durchaus keine religiöse Gleichgültigkeit vorliegt. Ls sind vielmehr die wirtschaftlichen Verhältnisse, die die Juden zur Entweihung des Sabbats zwingen und' es ihnen zur Unmöglichkeit machen, regelmäßige Besucher des Gotteshauses zu sein, jedesmal, wenn der Hinderungsgrund fortfällt, indem ein christlicher Feiertag auf den Sabbat trifft, ist auch der Besuch der Synagoge ein gehobener. Das haben w^r schon häufig beobachten können; und demnächst, am ersten Weihnachtstage, werden wir Gelegenheit haben, unsere Beobachtung zu wiederholen. Die Entstehung des Christentums, auf die das weihnachtsfest hinweist, galt uns früher als ein Blümlein Rührmichnichtan. Sn der jüdischen Geschichtsstunde pst egte man über diesen ungeheuer wichtigen Vorgang geflissentlich hinwegzugehen und glaubte mit solcher Vogelstraußpolitik der jüdischen Sugend zu nützen und sie für ihr späteres Ceben vor der Gefahr des Abfalles zu bewahrend) Und doch müßte gerade dieser geschichtliche Vorgang mit möglichst großer Ausführlichkeit im Unterricht besprochen werden und dein jüdischen Religionslehrer die erwünschte Gelegenheit bieten, die Kerzen der ihm anvertrauten Jugend mit Treue gegen das Judentum zu erfüllen. Auch dürfte es zweifelhaft fein, ob wir Rabbiner recht daran tun, wenn wir das weihnachtsfest, weil es das Fest eines andern Bekenntnisses ist, im Gottesdienst grundsätzlich mit Stillschweigen übergehen, ob nicht im Gegenteil ein Zusammenfällen dieses Festes mit dem Sabbat, -wie in diesem Sahre, uns Veranlassung geben sollte, auf die Vorgänge' in grauer Vorzeit hinzudeuten,, um auf die zahlreichen Gotteshausbesucher, die über .jene Vorgänge im Unklaren sind, aufklärend einzuwirken und ihre Ciebe zum Väterglauben zu stärken. Und für die jüdischen Zeitschriften sollte von Rechts wegen kein Jahr vorübergehen, in i) Auch die jetzt im Gebrauche befindlichen Lehrbücher gehen .über Jesus und die Entstehung des Christentums mebr oder Wewger kurz hinwegl So fertigt S. Müller in seiner „Jüdischen Geschichte in Charakterbildern" (1918) den Gegenstand in einem Nebensatze ab.