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Liberales Judentum · 1915-09-01 · Heft 9-10 (September 1915) · p. Seite 119

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 9-10 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 119 (sequence 23)
Language
German
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o o o o Aus der Jugendbewegung 119 gelungen, das reine Kindergemüt ihrer Kriegstochter von einem alten, nie nachgeprüften Vorurteil zu reinigen. Und es ist vorauszusetzen, daß ihnen im Lause der Zeit noch ähnliche Lrsolge ans die gleiche Art gelingen werden. Aus der Jugendbewegung. Jüdisch-liberaler Jugend verein zu Areslan. Breslau, Lnde September 1915. Wiederum hat unsere Jugendorganisation einen sehr schweren Verlust erlitten. Der Heimgang unseres hochverehrten außerordentlichen Mitgliedes Herrn Siegsried Caqueur reißt in unsere Reihen eine tiefe Lücke. Mit beispielloser Treue und nie erlahmender Rührigkeit arbeitete der jugendliche Alte, wie er sich selbst stets nannte, für unsere Bestrebungen und hat durch seine reichen Erfahrungen gerade aus dem Gebiete des jüdischen Liberalismus vorbildlich gewirkt. So oft es seine Zeit gestattete, nahm er an unseren Versammlungen teil, stets beteiligte er sich dann an der freien Aussprache Und riß jedesmal durch die Frische seiner Ausführungen uns, die Zungen, mit sich fort. Unvergessen werden seine Worte über Deutschturn und Judentum und seine Ansprache bei der Chanukka-Feier bleiben. Noch in letzter Zeit trug er sich mit dem Gedanken, bei uns einen Vortrag zu halten. Nun ist er, der begeisterte Führer der Zugend, von uns gegangen, ohne daß er sein Vorhaben anssühren konnte. Zn unserern Kreise wird sein Name ob der Lauterkeit seiner Gesinnung und der Schlichtheit seines Wesens stets in Lhren genannt werden. Der Vorstand des Züdisch-liberalen Zugendvereins zu Breslau. * * ¥ Der ungemein rührige Züdisch-liberale Zugendverein zu Breslau versendet folgendes Programm: Mas wir wollen. Der Züdisch-liberale Zugendverein zu Breslau will ein Sammelpunkt sein für alle diejenigen unter unserer jüdischen Zugend, die in unerschütterlicher Treue sesthalten an einem lebendigen, posi-, t i v e n, religiösen, freien und aufrecht e n Zudentmn. Wir wollen lebendiges Judentum! Wir wollen daher, daß der jüdischen Religion ihre § n t w i ck l u n g s f ä h i g - k ei t gewahrt werde, damit sie ihren Einfluß aus das lebende Geschlecht nicht verliere und der Aufgabe gerecht werde, für alle Zeiten einen bedeutungsvollen Faktor in der Geschichte der Kulturmenschheit darzustellen. Wir wurzeln fest in dem echten jüdisch-religiösen Boden und wollen den Zusammenhang mit der Vergangenheit erhalten. Wir wollen daher alles religiös Wertvolle und Lebendige pflegen; erstarrte Formen und Vorschriften aber sollen möglichst so ausgestaltet und verinnerlicht werden, daß sie echtes und warmes religiöses Leben dort wieder erwecken, wo die unmöglichen Forderungen einer unjüdischen Starrheit das echte religiöse Leben erstickt und religiöse Gleichgiltigkeit oder gar Widerspruch und Abneigung großgezogen Haben. Wir wollen positives Judentum! Darum erstreben wir für die jüdische Zugend einen Religionsunterricht, der das Kind mit Wissen vom Zudentum und Liebe zu seiner religiösen Gemeinschaft erfüllt und es nicht in einen Gegensatz zu seinem Elternhause bringt. Wir erstreben Förderung der Wissenschaft, d e s Zudentums, daniit die Liebe zur jüdischen Religion sich auf sichere Kenntnis der Literatur und Geschichte unserer Gemeinschaft ausbauen kann. Wir erstreben stärkere 1s e r a n z i e h - u ix a des weibliche n Geschlechtes zu allen Ausgaben des religiösen und sozialen Zudentums. Mir wollen religiöses Judentum! Wir bekämpfen daher alle Bestrebungen, die den religiösen Charakter des Zudentums verleugnen und in Verkennung seiner vieltausendjährigen Geschichte und ihrer

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