Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Aus der Jugendbewegung Lehren es «auf eine rein nationale Basis stellen wollen. National gehören wir mit ungeteiltein Herzen unserem Vaterlande an. Ebenso wie wir gute Juden sind, sind wir gute Deutsche. Wir wollen ein freies Judentum! IVir achten daher die Anschauung der überzeugten G r t h -o d o x e n und wollen keinen, der ehrlich den streng gesetzestreuen Standpunkt verficht und demgemäß lebt, zu unserer Ansicht bekehren. Wir bekämpfen aber den Indifferentismus, den Feind jeder Religion, den unversöhnlichen Feind des liberalen Judentums. Wir bekämpfen das Mitläufer t u m der Orthodoxie, die traurige Schar derer, die sich selber über allen Glauben und alle Vorschriften hinwegjsetzen, anderen aber die Orthodoxie unduldsamer Weise aufzwingen wollen. Mir wollen ein aufrechtes Judentum! Wir treten ein für alle Bestrebungen, die eine völlige Gleichberechtigung der Juden und des Judentums herbeizuführen suchen. Wir kämpfen daher gegen den Antisemitismus in jeglicher Gestalt sowie gegen das Taufjudentum. Wer darum ein lebendiges, positives, religiöses, freies Judentum ersehnt, Wer dem Judentum feine Eigenart, seine Kraft, seine Stellung und Bedeutung in der Geschichte der Kulturmenschheit erhalten will, Wer die Zukunft unseres Judentums sichern wil!, der mache seinen Willen zur Tat, indem er seinen Beitritt zum Jüdisch-liberalen Jugendverein erklärt und an allen seinen Veranstaltungen regen Anteil nimmt. Der Vorstand des Jüdisch-liberalen Jugendvereins zu Breslau. Am 31. August begann unser Verein sein neues Semester. Schon vor einem Jahre kostete es unendliche Mühe, all die Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellten, zu überwinden. — Und heute, zu einer Zeit, da wir bereits im zweiten Rriegsjahre leben, war die Frage der Eröffnung und der Arbeits-Fortführung weit schwieriger. Aus der Reihe unserer Vorstandsmitglieder eilte Herr Ralph Lewin, des Vereins erster Schriftführer zu den Fahnen. Außerdem ist ein großer Teil unser arbeitenden Mitglieder eingezogen. — Und dennoch gelang es mit einer vortrefflich besuchten Versammlung, der auch unsere beiden Ehrenmitglieder, die Herren Sanitätsrat Tarl Reich sowie Justizrat Berger, Rönigshütte, beiwohnten, das neue Arbeitsjahr zu beginnen. — Aus der Reihe der zahlreich erschienenen Gäste sei es mir gestattet, die Herren Dr. Lewkowitz, Dozent am hiesigen Jüd. Theol.-Seminar, und Geh. Justizrat Amtsgerichtsrat Glogauer zu nennen. An diesem Tage sprach Herr Dozent Dr. I. Elbogen, Berlin, über „Die Bedeutung des jüdischen Gottesdienstes auf die religiöse E n t w i ck l u n g der M e n s ch h e i t". Die Versammlung leitete das Mitglied des Vorstandes Herr Alfred Berger. Dieser gedachte in trefflichen Worten des auf dem Felde gefallenen Herrn Turt Fabisch. Schlicht und einfach erzählte er von der unerschütterlichen Treue dieses Mannes, die er bis in die letzten Tage seines jungen Lebens, auch vom Schauplatze des Todes, zum Heile unsere» g< sten Sache bewies. Als sichtlichen Dank für seine aufopfernde Treue und Umgebung hat der Vereinsvorstand beschlossen, unfern Turt Fabisch zum immerwährenden Mitglieds in unserm Verein zu ernennen. Sein Name wird somit für alle Zeiten mit dem Jüd.-lib. Iu^- gendverein zu Breslau verknüpft sein. hiernach ergriff der Redner des Abends, Herr Dr. Elbogen das Wort und führte aus, daß die jüdische Religion die erste gewesen sei, die den Unterschied zwischen Priester und Laien aufhob, und wo jeder, der die genügende Befähigung hat, den Gottesdienst ohne vorherige Weihe leiten kann. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Eleiber. Frankfurt a. M., Bieber-Gasse 6.