Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 113 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Geiger: Aunz und das Berliner Krovinziallchulkollegrum 113 mannigfach bekannt gemacht, doch kann ich Näheres nicht über ihn sagen. Sind mm die angeführten Schüler heute int ganzen vergessen, so sind die von der Königlichen Behörde zur Anwesenheit bei der Prüfung abgeordneten Männer um so bekannter. Der eine, Otto Schulz, geboren 1782, gestorben 1849, wlar seit 1826 Königlicher provinzialschulrat und Mitglied des Schulkollegiums der Provinz Brandenburg, als pädagogischer Schriftsteller zu seiner Zeit hochgeehrt, wenn auch nicht immer zum Segen des Schulwesens wirkend. Besonders unerfreulich ist für sein Andenken der unerquickliche Streit mit dem Seminardirektor Adolf Diesterweg, der als zweiter hier erwähnt ist. Dieser, geboren 1790, gestorben 1866, seit 1832 Direktor des Seminars für Stadtschulen, ist der eigentliche Begründer des Volksschulwesens in Preußen. Lin hochverdienter, freisinniger, tatkräftiger Mann, der in lebhaftester und energischster Art auf die Erziehung und Bildung der Schüler an Stelle der Abrichtung drängte und der durch sein praktisches und theoretisches Wirken sich die außerordentlichsten Verdienste erworben hat. was endlich die Stellen betrifft, die Znnz aus seinem Meisterwerke: „Die.gottesdienstlichen Vorträge" anführt, so sind es die trefflichen Abschnitte in dem letzten Kapitel „die Gegenwart", in denen Zunz die Notwendigkeit der deutschen predigt und die Verpflichtung zu Reformen des Gottesdienstes erörtert. Manche Leser dieses Blattes werden in der Lage sein, die herrlichen Worte nachzulesen; denen, die nicht dazu imstande sind, sei wenigstens die Gelegenheit geboten, die letztere Stelle sich emzuxrägen, die gerade für den Charakter dieses Blattes im höchsten Grade geeignet ist. Sre lautet folgendermaßen: „Aber das Licht soll fortan nicht von Babylon, sondern von Deutschland hervorgehen, — diesem unserm vaterlande, dessen Bewohner Geduld und Energie, Ginsicht und Biederkeit in wunderbarer Mischung vereinigen, und wo, gleichen Schrittes mit gesetzlicher Freiheit und wahrhafter Gesittung die Emanzipation der Süden, die bürgerliche wie die geistige unaufhaltsam vorwärts rückt. Glaubensverfolgung, Geistesdruck und verfall halten nicht mehr stand den Kräften der jungen Zeit, in denen ich auch für Israel Bürgschaften des Fortschrittes erblicke und die Hoffnung auf gute Schulen, fähige Vorstände, einsichtsvolle Rabbiner, auf Bildungsanstalten, verbesserten Gottesdienst, einträchtig das Gute fördernde Gemeinden. Denn nicht in Aeußerlichkeiten besteht die Reform, sondern in dem göttlichen Geiste der Frömmigkeit und der Erkenntnis, in dem Morte des Lehrers und Rabbiners, das voll ist dieses Geistes, in der Anstalt, die das Wort zur Tat macht, der Lehrschule und dem Gottes!- hause. Die rechte Tat bleibt nicht aus, wenn Geist und Wort wirken; wenn im Innern die Reform vorgearbeitet hat, wird die äußere Form leicht gefunden. Die Verbesserung des synagogischen Gottesdienstes, in welcher zunächst jene Form zur Anschauung kommt, läßt sich aber auf drei Tätigkeiten zurückführen: Einführung des Neuen, Abänderung des Bestehenden, Wiederherstellung des rechten Gebrauchs. In der ersten macht sich das Allgemeine gegen das Besondere geltend; in der zweiten das Gewordene gegen das Alte; in der dritten aber das Ehemalige, als das Rechte, gegen das Bestehende als gegen den verfall." Zunz's Ausführungen sind wohl geeignet, auch heute noch, 75 Jahre nach ihrer Niederschrift, allgemeines Interesse zu erwecken. Sie sind vortrefflich geschrieben, von liberalem Geiste durchweht und erfüllt von der Erkenntnis des für den jüdischen Lehrer Nützlichen und Notwendigen.