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Liberales Judentum · 1915-09-01 · Heft 9-10 (September 1915) · p. Seite 109

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 9-10 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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Fndrvig Geiger: Zun; und Las Berliner Provinzialschulksllegium 109 unterrichtet und unterstützt wurden. Die Ausführung der letztwilligen Bestimmungen, die Aufsicht über derartige Anstalten: liegt bald dem Gemeindevorstand, bald dem Ortsrabbiner, zuweilen den Familienmitgliedern des Erblassers oder einem Verein Talmud-Thora ob. Die Inspektoren (Gäbaim), welche im Aufträge der Berechtigten den Talmudlehrer ernennen, die Studenten zulassen, und von der Vollziehung der testamentlichen oder statutenmäßigen Vorschriften sich zu überzeugen haben, werden auf eine bestimmte Zeit dazu gewählt und! beziehen ein Gehalt. So ist denn auch das hiesige Talmud-Thora, unter der Inspektion vier sogenannter Gabaim, eine aus Legaten und freiwilligen Beiträgen bestehende Stiftung des vorigen Jahrhunderts, in welcher ursprünglich nur Talmud gelehrt, nachdem aber das isolierte Talmudlernen einging und es .an armen Studenten (Bachurim) fast gebrach, Knaben auch in Pentateuch, Schreiben und dergl. unterrichtet wurden. - Vor etwa elf Jahren beabsichtigten die damaligen Inspektoren, aus der Anstalt eine eigene Knabenschule zu machen, fanden sich jedoch im Oktober 1829 bewogen, diese Schöpfung mit der bestehenden Gemeindeschule (Rosenstraße 12) zu verschmelzen, im Talmud-Thora hingegen fortan nur erwachsenen Schülern, die sich dem Lehrerstande widmen, zuzulassen. Seitdem heißt die Anstalt Seminar, läßt außer Talmud und Bibel noch in anderen Glementar- Gegenständen unterrichten, und ist so, fast unvermerkt, einer veränderten Richtung gefolgt. Aber ohne legale Anerkennung, ohne Leitung, bei beschränkten Mitteln und geringer Teilnahme konnte sie aus der abgestorbenen Form zu keiner frischen erblühen, und das Institut durchschlich ein trauriges Dasein, welchem vermittelst einer kräftigen Organisation ein Ende zu machen, die Aeltesten und die Inspektoren einmütig beschlossen. Fast alle Zöglinge, die die Anstalt besuchten, waren arme, unwissende, junge Leute aus dem Großherzogtum po|*en, oft auch in den talmudischen Elementen Anfänger. Manche haben die Lehranstalt wieder verlassen, anderswo ihr Heil versucht, oder sich dem Handel ergeben, oder ein Handwerk angetreten. Lehrer sind nur wenige geworden. lVer aber von den nach Berlin gekommenen Zöglingen dieser Art mehr — geistige oder pekuniäre— Kräfte besaß, besuchte ein Gymnasium, oder wandte dem pädagogischen Fache den Rücken. Die Lehrer taten, unter den ungünstigen Umständen, wohl noch mehr als ihre Pflicht. Zu einem wirklichen Seminar sind mithin jn dieser Anstalt nur einige Ingredienzien zu finden: Man hat erwachsene Schüler aufgenommen, sie zu Lehrern heranzubilden, und. zuweilen einige Hebungen im Unterrichten mit denselben angeftellt. Sonst aber ist man über die Grenzen einer Schule nicht hinausgekommen, in der Deutsch Lnd Hebräisch, einige Elementar-Fächer, sogar Schreiben und Rechnen gelehrt wird, und steht zum Teil noch auf dem Boden des alten Talmud-Thora, das gänzlich unvorbereiteten Schülern 12 Stunden wöchentlich den Talmud und die ritueller Kompendien lehrt. Auf diese Weise ist die Anstalt weder Talmud- Thora, noch Schule, noch Seminar. Ganz diesen Stand der Dinge bot mir die Prüfung dar, welche ich auf höhere Verfügung am 26. ds. Mts., in Gegenwart des Herrn Direktors Diesterweg mit den vorhandenen sechs Schülern vorgenommen habe. Dieselben sind: 1. Salomon Moses Tohn (Sohn eines Posamentiers in Rakel), 20 Jahre alt, feit Oktober 1836, 2. Löbel Guttsmann (Sohn eines Kaufmanns in Rübeil), 20 Jahre alt, feit Juni 1836, 3. Itzig Gabriel (Sohn eines Bäckers in Rakel), 20 Jahre alt, feit Oktober 1836,

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