Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebet einer Mutter für ihren Sohn iw Felde 107 Geltet einer JTlutter für ihren Sohn im felde. Vater im Himmel! Ich flehe zu Dir. Schütze mein Rind! Nur schwer formen Worte sich auf meinen Lippen. Mein Herz betet. Aber stumm bleibt mein Mund. Du hörst mein Flehen, o Gott, auch ohne Worte. Und Du schaust nieder auf mich, so verstehend, so gütig, so milde. Ist das Erhörung? Wirst Du bei ihm sein im Schlachtengebraus, im Dunkel der Nacht, wenn der Tod schreitet durch das ferne, fremde Land? — Ich weiß nicht, wo Deine Sonne ihm leuchtet, wo der Nachttau ihm die müden Glieder feuchtet, ich hlicke in die Ferne, über Länder und Berge und Flüsse. Ich finde ihn nicht. Aber Du siehst ihn, mein Gott. Schütze ihn mir. Schenke ihn mir auf's Neue, wie Hu.ihn einst mir geschenkt in ferner, seliger Zeit. Erhöre mich, Gott, erhöre mich! Zunz und das Berliner Proninzialfchulkollegium. Von Hudroig Geiger. ^eopold Zunz, der große Gelehrte, war, nachdem er eine zeitlang Prediger in Berlin, dann jahrelang 1823—31 Redakteur der Spenerschen Zeitung, gleichfalls in Berlin, gewesen, endlich ein paar Jahre lang Prediger in s)rag, stellungslos. Aus seinem Tagebuch geht hervor, daß von verschiedenen Seiten Anregungen an ihn herantraten, sich als Lehrer und Prediger an manche Mrte zu melden^ daß er aber bei seinem Stolz und seinem Unabhängigkeitssinn vielleicht auch bei seiner Vorliebe für Berlin, obgleich er oft genug bekannte, daß er wenig oder nichts von der Residenz habe, Bedenken trug, diesen Anregungen nachzugehen. Endlich bot sich ihm die Möglichkeit einer größeren Wirksamkeit in Berlin. Die jüdische Gemeinde Berlins wollte ein Schullehrerseminar begründen und Zunz zur Leitung berufen. Ueber dieses Schullehrer-Seminar, das nicht einmal ein Jahrzehnt lang bestand, existiert eine größere Literatur; ich habe in meiner „Geschichte der Juden Berlins" ausführlich darüber gehandelt, in meinen verschiedenartigen Veröffentlichungen über Rio ritz Veit mehrfach darauf eingegangen, M. Holzman hat eine höchst wertvolle Geschichte der Anstalt geschrieben; Zunz Rede zur Eröffnung des jüdischen Seminars 1840 ist in den gesammelten Schriften, Bänd II, Berlin 1876, Seite 126 bis 134 gedruckt. i Die im folgenden mitgeteilten Aktenstücke sind durchaus neu und unbekannt. In dem „Buche Zunz" (Eigentum der Zunz-Stiftung in Berlin), einem höchst eigenartigen Werke, einem Mittelding zwischen Thronik und literarischen Notizen findet sich Seite 71 eine Notiz, daß Zunz im Jahre 1838 ein Gesuch an das Berliner Schulkollegium gerichtet habe. Ich wandte mich, nachdem ich von dieser Notiz Kenntnis genommen hatte, an das f)rovinzialschulkollegium in Berlin und erhielt in dankenswertester Weise die Abschrift der folgenden Schriftstücke. Leider fehlt bei dem ersten die Hauptsache, nämlich der Anhang zu dem ersten Schreiben, die 11 Beilagen, in denen sich Zunz über seine Verhältnisse und Bildung ausspricht. Es fehlt gleicher Weise eine Mitteilung über den Erfolg des Schreibens. Wahrscheinlich ist jedoch, daß Zunz's Gesuch Erfolg hatte, d. h., daß