Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Ar. Cstürn;: Krieg nnd RrUgrsn 79 werden können, weil dort der Rabbiner mit den Rindern durch den Unterricht und den Verkehr im Elternhaus in Fühlung steht. In der Großstadt hat der Rabbiner kaum die Möglichkeit, meiner Anregung Folge zu geben. Ich verlange, daß die'Knaben in Jeder Woche einem anderen Gottesdienst beiwohnen, so daß sie am End e eines Monats vier verschiedene Gottesdienste kennen gelernt haben: Am ersten Sabbat des Monats soll am Nachmittag der bisherige Iugendgottesdienft von Knaben und Mädchen gemeinsam besucht und 'somit fernerhin beibehalten werden. Desgleichen sollen Schüler und Schülerinnen in der darauf folgenden Woche den Freitag Abendgottesdienst aufsuchen. Die Knaben, die * bereits Bar Mizwah sind, sollen in der dritten Woche am Sabbat-Ausgang-Gottesdienst teilnehmen und in der vierten Woche Sonntag Morgen zum werktäglichen Gottesdienst erscheinen. In diesem Tyklus sollen die Besuche des Gottesdienstes wechseln. Es wird natürlich dem Lehrer überlassen bleiben, ob er gerade den Sabbat-Ausgang-Gottesdienst oder einen anderen wählt. In jedem Fall lernen so die Knaben durch die Erfahrung, wie der Gottesdienst am Abend und Morgen eines Werktages verläuft, und wie er sich am Freitag Abend gestaltet. Da an den jüdischen Feiertagen in all' den Gemeinden, in denen der Rabbiner einen wirklichen Einfluß besitzt, die jüdischen Schüler die höheren Schulen nicht besuchen, sondern im.Gotteshaus erscheinen, erhalten sie auch Kenntnis vom Feiertagsgottesdienst und dem am Sabbat Vormittag, der ja dem Festtagsgottesdienst sehr ähnelt. In dem vorgeschlagenen T^klus hat der bisherige Iugendgottesdienft seine Daseinsberechtigung — wenngleich sich die Gedanken, die den Inhalt der predigt bilden, besser durch den Unterricht vermitteln lassen. Bleibt er aber der einzige KindergottesdicNst, so wage ich daran zu zweifeln, daß er sich bewährt hat und den Erwartungen entspricht, die man bei seiner Einführung gehegthat. Krieg und Religion. \7on Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld. Ertrage Du's, laß schneiden Dir bext Schmerz scharf durchs Gehirn und wühlen hart durchs Herz — das ist der Pflug, nach dem der Sämann sät, daß ans der Erde Wunden Korn entsteht. Korn, das der armen Seele Hunger stillt — mit Korn, o Vater, segne mein Gefild! Reiß Deinem Pflug erbarmungslos den Pfad, doch wirf auch ein in seine Furchen Saat! Ferdinand Avenarius. Vor wenigen Wochen sagte mir ein einfacher, ehrlicher Mensch: ich habe durch den Krieg meinen Glauben verloren. Denn wenn es einen Gott gäbe, dann dürfte er die furchtbaren Schrecken des Krieges in der Welt nicht zulassen. Der eine spricht es aus, und tausende und abertausende tragen es still im Kerzen. Seitdem der Krieg über uns gekommen ist, sind sie andere geworden. Das alte Gottvertrauen ist in ihnen gestorben. Ich kann diesen jähen Wechsel in der religiösen Weltanschauung menschlich durchaus verstehen. Wer durch persönliches Wohlergehen Zeit feines Reibens gewohnt war, in Gott nur den gütigen Vater zu verehren, der wird es mit seinem religiösen Glauben nicht in Einklang bringen können, wenn eines Tages das Bild sich ändert und die lachende, sonnige Welt plötzlich in einem Flammenmeer zu versinken droht. Der Glaube an den nur barmherzigen Gott muß in dem Augenblick zusammenbrechen, in dem soviel er-