Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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kl .:.r; ■ j 1 I —————..—II -I .1 III », . .I . - - I 76 Ar. Ziegler: Jahwe, der Gott des Zornes und der Mache anderes geworden ist, von dem Gott der Liebe, der auch zürnen, ja selbst hassen und Rache nehmen kann, nicht lassen wollen? weil nur ein Gott des Lebens auf d asL eb enwirken kann,und weil wir unter Religion nicht ein Spiel der Phantasie, sondern den tiefen Ernst und Sinn des Lebens ververstehen. Und begreifet ihr jetzt, warum die Christenheit, insbesondere die protestantische infolge ihrer größeren Vertrautheit mit der Bibel, bei großen nationalen Ereignissen, bei entscheidenden Rümpfen, .in Gefahr und Drangsal gerade aus der alten Bibel Mut und "Ausdauer sich holte, im Jahwe Israels Kraft und festes Ausharren? So!oft die Weltgeschichte mit ihren gewaltigen Fittigen auf Deutschlands Fluren sich niedersenkte, so oft der dröhnende Schritt ungeheueren Weltgeschehens durch seine Lande ging, zog es den Deutschen hin zu den markigen, menschlichen Gestalten der alten Bibel, daß sie ihm zum Vorbild wurden, zog ihn hin von dem Gott des sterbenden Duldens und Leidens zu Jahwe dem Urmächtigen, dem Kraft- und Lebensvollen, der mit gezücktem Schwerte steht vor den Pforten der Gerechtigkeit, der Treue und Wahrheit, daß nicht eindringen Lüge und Niedertracht, zu beschmutzen die köstlichen Pflanzungen seiner Gotteswelt, wahrlich, der Zorn, der Effevund dieRache Gottes bezeugennichtdie Minderwertigkeit, sondern die lebensvolle Kr aft und vollwertigkeit der israelitisch-jüdischen Gottesidee; sie bilden das unentbehrliche Komplement, d.ie notwendigen Modifikationen des großen A t t r i b u t s vo n der Liebe Gottes zur Menschheit. -i- -i- - * Und abermals steht die Menschheit vor folgenschweren Ereignissen, entfesselt ist der Kampf der reinen Gotteswelt gegen gemeine Umwelt, ein Kampf, wie ihn nie zuvor die Jahrhunderte gesehen. Eitle Ruhmsucht der Franken, der Angelsachsen Selbstsucht und Neid, des Romanen Treubruch und des Slaven rohe Gewalt, sie alle vereinten sich, um aufstrebende Arbeit, ehrliches Mühen, redliches Trachten, Recht und Wahrheit niederzuringen und in .den Staub zu treten. Da schallt im wilden Sturme de* Ruf Jahwes auch euch entgegen: eilet, ihr meine Heerscharen, zu streiten wider Lüge und Mord, wider Meineid und Gewalt, schützet meine Welt vor der Welt der nackten Ichsucht und Habgier, werdet voll vom Geiste meines heiligen Zornes, werdet Rächer der Schändung meines großen wollens, auf daß wieder Liebe und Frieden einziehen in Städte und Weiler, in Hütten und Paläste, und ihr, so mein Strafwerk vollbracht ist, die Palme des Friedens der Menschheit entgegenreichet zum Siege meiner Welt. So ziehet denn hinaus, ineine jungeln Freunde, in den tosenden Kampf fürs Vaterland, für Recht und .Wahrheit! Umgürtet euere Lenden zum Streite! Ziehet hinaus mit Jahwe, dem Gott des großen Zornes und der heiligen Rache. Kehret heim mit Jahwe, dem Gott der Liebe, des Erbarmens und des Friedens!