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Liberales Judentum · 1915-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1915) · p. Seite 75

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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o o o o Ar. Ziegler: Jahwe, der Gott des Zornes und der Sache 75 Lieben, es bewegt sich nur in Gegensätzen, deren Aufeinanderstoß die Funken schafft, die Licht und Kraft und Wärme geben, also wieder Leben. Gram und Freude, Liebe und Groll, bsärte und Milde, beide müssen da sein, beide gehören zum Leben, wie Licht und Schatten, wie Tag und Nacht, Frost und Hitze zur Natur wesentlich gehören. Selbst der beste Mensch hat irgend ein Stückche>n Schlechtigkeit an sich, das schönste Geschöpf irgend etwas häßliches, durch die das Gute und Schöne erst.recht an ihnen zur Geltung kommen. Kann der Mensch nur lieben, ohne je zu grollen und .zu zürnen? Kennt das Leben nur Liebe? Und darf die Religion, die Lebe n sein und auf das Leben wirken soll, nur Liebe kennen, ausschließlich Liebe sein? Muß sie nicht oft zürn Zorne greifen, um als lebendige Macht auf den Menschen einzuwirken? * Und die Religion ist Gott und das Verhältnis des Menschen zu Gott, was ich euch daher von der Religion gesagt habe, gilt auch von Gott. Soll die Gottheit, diese erhabenste Idee, zu der dies Menschengeschlecht im Laufe der Jahrtausende sich emporgearbeitet hat und sich noch weiter emporarbeiten muß bis ans Lnde der Jahrtausende, das Leben beeinflussen, nicht oberflächlich, sondern tief und übermächtig, dann muß sie selber lebensvoll sein, Leben atmen, dann darf sie nicht ein Schemen nur, ein Schatten sein, sondern muß aus der Tiefe des menschlichen Gemüts emporquellen und muß wie das Leben selbst lieben und zürnen, helfen und strafen, verwunden und heilen! was ist aber Rache? Nichts anderes als tätiger Zorn! G, ich meine nicht die kleinen Nadelstiche der kleinen, niedrigen, nie befriedigten Rachsucht, nein, die nicht. Ich ineine die heilige erhabene Rache jenesheiligen, großen Zornes, der so nahe steht der großen heiligen Liebe, der aus der göttlichen Liebe h er au s üb er d i e M en schh eit h er ein-- flutet, und da, hat er sein Opfer getroffen und g e ft r a f t, sofort wieder u m s ch l ä g t i n große, heilige, e r b a r m e n d e Liebe. Ich meine den majestätischen Zorn und die gewaltige Rache Jahwes im fünften "Buche Moses Kapitel sechs, Vers 5 und 12 und 15: „Lieben sollst du Iahive deinen Gott mit deinem ganzen Kerzen, mit deiner ganzen Seele und deinem ganzen vermögen.hüte dich an Jahwe zu vergessen, der dich hinausgeführt hat aus Aegypten, aus dem Hausö" von Sklave,: . . . Denn ein eifervoller Gott ist Jahwe dein Gott in deiner Mitte, es könnte sein Zorn gegen dich entbrennen und dich vertilgen von der Oberfläche des Erdbodens." Und jenen großen Zorn Jahwes meine ich, der nach der Strafe wieder zu Erbarmen und Liebe wird, wie ihr darüber, lesen könnet im dreißigsten Kapitel des fünften Buches Moses: „Und wenn dereinst alle diese Strafworte über .dich gekommen sein werde:: .... und du zu Jahwe deinem Gott zurückkehrst und auf seine Stimme horchst. . dann führt Jahwe, dein Gott, deine Gefangenen wieder heim und liebt dich wieder. . . und wird dir Gutes erweisen mehr als deinen Vätern und dich zahlreicher machen als deine Väter gewesen sind." Ist dieser Zorn, ist diese Rache — der Zorn und die Rache einer großen heiligen Liebe — nicht groß und erhaben? Ist das nicht tief menschlich, aus dem Innersten der Menschennatur herausgegriffen und doch zugleich Postulat des höchsten Idealismus, der Umkehr des rächenden Zornes zur erbarmenden Liebe?! Begreifet ihr jetzt, warum kein Volk so tief beeinflußt wurde von seiner Gottesidee, wie gerade das jüdische? und warum auch wir, trotzden: unser Gottesideal in vielen: ein

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