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Liberales Judentum · 1915-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1915) · p. Seite 64

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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64 O O 0 Ar. Felir Freudrnthal: Kriegsbetrachtungen rufs und des Parteistandpunkts begeistert ihr Leben dafür einsetzen, daß das vor kaum einem Menschenalter mit gewaltigen Opfern zusammengefügte Reich nicht wieder geteilt und zerstückelt, zerissen und zerfleischt werde. Alle Bemühungen unseres treusorgenden Uaisers — ungeachtet gewaltiger Vorbereitungen für die gebotene Verteidigung — dem Erdball die entsetzlichen Greuel eines blutigen Zusammenstoßes zu ersparen, sind an den Machinationen beutegieriger und scheelsüchtiger Widersacher gescheitert. Fürstliche Verwandtschaft und Schwägerschaft, Freundschaftsversicherungen und Rassengemeinschaft werden achtlos bei Seite gestellt, nur um uns zu demütigen und zu unterdrücken. Bildung, Fortschritt, Zivilisation, alles wird über den Kaufen geworfen, Hekatomben unschuldiger, arbeitsamer und braver Familienväter werden dahingeopfert, lediglich um. politische Wahnideen und staatsmännische Kombinationen zu befriedigen. Soll man nun ernstlich sogen, die Vorsehung habe dies so beschlossen? Soll man wirklich wieder einmal den lieben Gott für die barbarischen Greueltaten der Uosaken mobil machen? Nein, nicht der himmlische Vater ist es, der für solche Untaten verantwortlich zu machen ist, sondern die kalt berechnende Nichtswürdigkeit fluchwürdiger Verbrecher im Diplomatenfrack und in Generalsuniform, die sich in unnatürlichem Bündnis zusammengetan haben, um Deutschlands Macht und Ansehen zu untergraben und zu vernichten. Wenn wir schurkische Banditen, die sich in dunkler Nacht vereinigt haben, um einen einzelnen schuldlosen Begüterten zu berauben und zu erwürgen, ohne Bedenken dem Henker überliefern, was müßte man mit jenen Hyänen in Menschengestalt beginnen, die, von keiner äußeren Not getrieben, die Völker aufeinanderhetzen, ihnen die furchtbarsten Waffen in die Hand drücken und dann von ihren bequemen und sicheren Polsterstühlen aus der Massenvertilgung zuschauen, die sie aus verblendetem Ehrgeiz oder anderen selbstsüchtigen Gründen heraufbeschwören. Rein Uerker wäre tief, keine Züchtigung wäre grausam, keine Todesstrafe hart genug, um diese Verbrecher entgelten zu lassen, was sie uns angetan. Oder verdienen gekrönte Banditen ein anderes Los, als jene armseligen Schächer, die wenigstens die Entschuldigung des Hungers, der Unbildung, der Verwahrlosung geltend machen können? Großfürsten und Botschafter, Staatsmänner und Parlamentsredner, die in gewissenloser Agitation und mit schamlosen Lügen die wildesten Leidenschaften gegen uns zu entfesseln verstanden, müßten sie nicht alle aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen und mit dem Brandmal des Massenmörders gezeichnet werden? Und wie haben sie es verstanden, mit Lug und Trug die Wahrheit zu verdrehen, die Tatsachen auf den Uopf zu stellen und den neutralen Staaten das Märchen aufzubinden, sie, Engländer, Russen, Franzosen und wie sie alle heißen, hätten ja kein Wässerchen getrübt, das böse „German^" sei an dem Weltenbrand schuld, durch den jetzt zahllose Familien in Trauer versetzt, ihrer Söhne und Ernährer beraubt und an den Bettelstab gebracht werden! Hat doch wahrlich kein Deutscher, so hoch oder so tief er stehen möge, den Urieg herbeigewünscht, keiner ihn anders als ein schweres Unglück angesehen, das unserer wirtschaftlichen Entwicklung, unserer blühenden Industrie und unserem ausgedehnten Handel gewaltigen Schaden verursachen müßte. Als aber an unseren Grenzen die Legionen immer bedrohlicher aufmarschierten, als uns die furchtbare Gewißheit wurde, daß man es zum Urieg gegen uns trieb, da war hinwieder kein Deutscher kleinmütig genug, um jeden Preis dem uns in frivolster Weise aufge-

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