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Liberales Judentum · 1915-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1915) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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o o Kr. Coblrnz: Kameradschaftlichkeit 61 freudigkeit und Eingabe: „Ich hatt' einen Kameraden, einen bessern findest du nit." Dadurch wird auch der Krieg bei allem Leid, das er bringt, ein tAuell des Segens: er weckt den Geist der Kameradschaftlichkeit. Mit klingendem Spiel ziehen die Truppen hinaus. Begeisterung glüht durch die jungen Kerzen. Im Wetter der Schlacht wollen sie den Fejnd zu Boden werfen. Da schlingt sich ein Band um all die jungen Menschen: Kameradschaftlichkeit der Gesinnung. Dann kommt der furchtbare Trust. Gb sie in den Schützengräben liegen oder im Sturmschritt angreifen, ob sie einsam die Macht halten oder schleichend die Stellung des Feindes erkunden, überall lauert der Tod ihnen auf, überall droht das Verderben. Da ist einer auf den anderen angewiesen. Aus der Kameradschaftlichkeit der Gesinnung wird die Kameradschaftlich k e i t d e r T a t. Den Verwendeten helfen und dabei des eigenen Lebens nicht schonen, den Gefallenen die letzte Ehre erweisen und ihren Angehörigen in der Heimat mit einem teilnehmenden Worte die schwere Botschaft übermitteln — das sind Liebeswerke der Kameradschaftlichkeit da draußen auf dem Schlachtfeld. Ich kann mir denken, daß solche Kameradschaftlichkeit auch einmal in loderndem Haß gegen den Fejnd aufflammt. Wenn der Kamerad, der neben dir gestanden und alle Gefahren und Entbehrungen mit dir geteilt hat, plötzlich von der tückischen Kugel getroffen wird und sein junges Leben lassen muß, dann .packt dich wilder Grimm, und nur ein Gefühl lebt in deiner Seele: Rache für den gefallenen Kameraden! Wer sollte das menschlich nicht verstehen können? Ja, es liegt sogar trotz all des Düstern und Furchtbaren etwas Großes und Schönes in solchem Haß, der Vergeltung fordert für den Tod des Kameraden. Allerdings nur, solange der Kämpfende im Banne seiner Leidenschaft steht! Wenn Ruhe und Besonnenheit zurückgekehrt sind, dann nimmt sich echte Kameradschaftlichkeit selbst des Feindes an, sobald er hilflos geworden ist. Sie sieht dann nur den Menschen in ihm, der versorgenden Liebe bedarf. Solche Kameradschaftlichkeit ist durch den Krieg im deutschen Volke lebendig geworden, und wir wollen, daß sie uns auch im Frieden erhalten bleibt. Mancher hat sich in dieser Zeit wohl schon gefragt: wie wird es nach dem Kriege werden? In manchem sind wohl bange Zweifel aufgestiegen: es könnte wieder anders kommen. Ich halte die Furcht nicht für berechtigt. Gewiß werden nach dem Kriege alte Gegensätze wieder emporfteigen und alte Kämpfe mit neuer Heftigkeit entbrennen. Die Zeit des Burgfriedens ist dann vorüber. Aber die Form, in der die Menschen Nnteinander streiten, ist eine andere geworden. Der Geist der Kameradschaftlichkeit, der im Kugelregen des Schlachtfeldes seine Feuerprobe bestanden hat, wird auch in ruhigen Friedenstagen seine Kraft bewähren und uns über Religions¬ und Klassenhaß hinweg zu gemeinsamer Arbeit im Dienste des Vaterlandes verbinden. Und wenn je Böswilligkeit und Unverstand im deutschen Volke wiederkämen, um Zwietracht in die Herzen hineinzutragen, der Geist der Kameradschaftlichkeit würde sich flammend dagegen erheben. Was uns in der schweren Zeit des Krieges zusammengeführt hat, das muß uns auch in den sonnigen Tagen des Friedens Zusammenhalten. Kameradschaflichkeit ist die innere Kraft, die uns hält und trägt als Kinder eines Volkes.

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