Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Ar. Coblen?: Kameradschaftlichkeit o o o o um Euch, wenn Ihr die Arbeit verrichtet, und sie gehen an Eurer Seite, wenn Ihr das Haus verlaßt. Eure Feierstunde beginnt, wenn Ihr den Strickstrumpf hervorsucht, aber Eure Miene ist starr und bedrückt. Wohl verständlich ist Euer Leid, wohl verständlich sind Eure Sorgen. Aber die Zeit fordert Uebermenschliches an Kraft und Energie, und auch Ihr sollet nicht zurückstehen. Eure Rinder warten aus Euer Erzählen, verschließet nicht Euren Mund, wenn das Herz übervoll ist. Suchet noch dem Besten, Freudigsten, Hoffendsten, das in Eurer Seele lebt, und gebt Euren Rindern davon. Erzählet ihnen von lebenswahren Dingen, vom Rrieg und Euren Sorgen, von Gottes Gerechtigkeit und seiner Offenbarung in der Not des winters und der Fülle des Sommers. Sie werden Euch verstehen lernen, und Ihr werdet freudiger werden, weil Ihr Freude um Euch verbreitet. Ihr Frauen aber, die Ihr vom Glück begünstigt seid, Ihr habt vor den anderen heute nichts anderes voraus, als mehr freie Stunden am Tage. Nutzet diese, lehret Eure Rinder, in jihrer Art die Größe der jZeit begreifen, in der wir leben. Lasset sie teilnehmen an den Werken allgemeiner Wohltätigkeit, lasset die Mädchen stricken und selbst ihre Gaben verteilen. Gern werden die Rnaben ihr Taschengeld zurücklegen, um ihre Ersparnisse .in Liebesgaben umzusetzen. Es bedarf sa nur eines Hinweises von Eurer Seite, einer kleinen Anregung, uni die schönsten, edelsten Triebe zu fördern. Aber in Euren gemeinsamen Feierstunden lasset Eure Rinder an Eurem wissen teil haben, lernet, um ihnen geben zu können. Ihr braucht die Märchenbücher nicht, um sie ihnen vorzulesen. Gebt sie ihnen für Stunden, in denen sie sich selbst überlassen sind. Im Zusammensein Mit Euch sollen sie erfahren, was nur Ihr ihnen sagen könnt, — keiner sonst. Darum, Ihr Frauen, nutzet die Zeit, in der edelste Begeisterung Eure Rräfte erhöht, Euren Glauben stärkt. Lehret Eure Rinder, was das Glück ihres Lebens zu steigern, das Leid zu mildern vermag: Liebe zu allem Schönen, Edlen, und den wahren Glauben, die innige, demütige Gottesfürchtigkeit. Lehret sie erkennen: was das Leben von ihnen fordert, das fordert es für sie. Glücklich seid Ihr zu preisen, Eure Rinder lehren zu dürfen, und nie bedurftet Ihr dieses Glückes mehr, Ihr Einsamen, denn setzt. Kameradldiafflichkeif. von Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld. Die Masse wird unter dem Führer zur wetteifernden Kameradschaftlichkeit. Moritz Lazarus. emeinsames Erleben weckt den Geist der Rameradschaftlichkeit. Menschen, die als Rinder bei Spiel und Arbeit treu zusammenhielten, bewahren sich die Erinnerung an das Glück ihrer Jugendzeit fürs ganze Leben, und wdnn sie sich nach vielen Jahren einmal Wiedersehen — seder ist inzwischen ein anderer geworden, denn seder ging seinen eigenen weg —, dann liegt es wie Sonnenglanz auf ihren Zügen: wir waren gute Rameraden. Oder zwei Eheleute haben sich auch in Sturm und Wetter immer gut verstanden und in herzlichem Einvernehmen alles gemeinsam getragen. Wenn wir die Innigkeit ihres Verhältnisses so recht warm und lebendig darstellen wollen, dann rühmen wir: sie waren zwei gute, tapfere Rameraden. Das Wort hat in seinem Rlang etwas von verhaltener Liebe, von Opfer-